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weise im Teich. Die von den verschiedenen Küchen schmuggelten Kartoffeln, Brot, Fleisch, Wurst, Margarine, Mehl und Zucker herein. Und da war doch die Fleischkonservenfabrik von Wülfert! Die Leute wurden immer auf Herz und Nieren geprüft, und taten es doch. Die von den Kammern warteten mit Tauschwaren auf: Sohlleder, Schuhwerk, Strümpfe, Pullover. Auf Schubkarren, in Eimern und in Werkzeugkisten und versteckt unter den Kleidern, kamen die Sachen durch. Sie flogen wie der Wind seitwärts, wenn die Gefahr gesichtet war. Schließlich konnte die SS auch nicht jeden Tag filzen. Tauschhandel war streng verboten; es wurde immer getauscht. Die Preise schwankten wie auf der Börse. Alle paar Wochen suchte der Rapportführer Böttcher nach elektrischen Kochapparaten und nahm weg, was ihm in die Hände fiel. Aber Fachleute sorgten für raschen Ersatz. Im Winter tat’s der Ofen. Es wurde nach 1942 immer und überall zwischenhinein gekocht. Die Angehörigen der Häftlinge hatten es bald heraus und setzten ihre Lebensmittelpakete entsprechend zusammen.
Der Abend senkt sich nieder. Wieder Appell und wieder die „Lore”. Heute hat der Zählappell geklappt. Nur eine halbe Stunde. Das geht noch. Und nach der Wassersuppe fallen uns die Augen zu. Ein ehemaliger Wehrmachtler, roter Winkel mit der Spitze nach oben, rasselt auf seiner Mundharmonika die„Schöne Müllerin” herunter. Der bayrische Schustercapo hat seine Zither hervorge- holt und sucht tastend, stockend, die Akkorde zusammen zu einer melancholischen Weise, Jeden Abend ist es dieselbe. Wie müde isf solch ein Tag!—
Und zu dem einen gesellt sich der andere. Die Tage reichen sich die Hand, werden Wochen, Monate, leidvoller Uebergang zu einem anderen Ufer des Seins.
Von allem losgerissen, was unser eigen war und woran unser Herz
gehangen.—
Unfrei, verspottet, verlacht, herumgestoßen und von verbitterten, mißtrauischen Kameraden schroff abgelehnt.—
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