Der kleine Standortarzt folgte auch gestern den Schweden mit meinen Zeichnungen unter dem Arm und wedelte damit hin und her. Aber ich glaube, es gelang ihm auch diesmal nicht, ,, seine" Pläne für unser neues Revier vorzulegen. Es interessierte sich niemand für ihn, den Armen- er war überflüssig überall, wo er sich vorzudrängen versuchte. Weder als Arzt noch als SS - Offizier wurde er um Rat gefragt oder hatte er irgend etwas zu sagen. Jedenfalls waren die Schweden nicht der Ansicht und wir auch nicht! Die Schweden schreiben lange, neue Listen über unsere Wünsche, die jetzt auch Dinge wie Musikinstrumente einschließen.
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Bernadotte verhandelt in Berlin . Er will wahrscheinlich versuchen, uns hier wegzubekommen, noch ehe der Krieg zu Ende ist hoffentlich nach Schweden . ,, Bernadotte hat ja bis jetzt unglaublich viel erreicht, warum sollen wir denn nicht glauben, daß er auch dies wird schaffen können?" sagte einer der Schweden gestern.
Alle norwegischen Zuchthäusler- über neunhundert, die auf drei verschiedene Gefängnisse in Deutschland verteilt waren-, kommen auch hierher. Das ist alles in Ordnung.
Wir erleben jetzt zweifelsohne die Schlußphase des Krieges mit der großen Offensive im Westen, die sich mit jener aus dem Osten trifft. So mächtig packen uns die Nachrichten, und die Eindrücke und Begebenheiten, die sich in diesen Tagen über uns ergießen, sind so gewaltig, daß wir sie kaum zu fassen vermögen. Wir leben wie in einem Märchen, es ist, als wenn man in die Luft träte. Wie sieht denn die Wirklichkeit aus?
Hinter dem Revier steigt der Rauch aus dem Schornstein des Krematoriums zum Himmel. Das ist die Wirklichkeit, in der wir trotz allem noch immer leben. Eine Kältewelle hat eingesetzt, und ich sitze hier und friere, auch bei dem Gedanken an all das, was der Rauch aus dem Krematoriumsschornstein wieder in Erinnerung bringt: die stierenden toten Augen, die mageren Skelette, die im Leichenhause aufgestapelt sind.
Kann es möglich sein, daß diese Schrecken bald zu Ende sind? Kari du bist jetzt so lange so weit, weit weg ge
wesen!
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