erzählt werden, die das selber gesehen und erlebt haben. Aber keiner wird es glauben, weil die Phantasie fehlt, es sich vorzustellen.
Einige Norweger, die nach Bergen- Belsen kamen, sind als Muselmänner hier eingetroffen. Die meisten von ihnen sind jedoch in Bergen- Belsen zurückgeblieben- sie waren zu krank, um transportiert zu werden. Die Schweden wurden nicht zum Lager hineingelassen dort war es wohl zu entsetzlich. Die meisten der Zurückgebliebenen haben Flecktyphus. Es sind mehr als zwanzig Mann.
Gestern kamen hundertundacht Dänen aus dem Lager Porta in Westfalen. Alle sind Muselmänner, die reinsten Skelette. Elf von ihnen wurden auf unser Revier gelegt, das nichts weiter ist als eine leere Baracke, aus der wir gerade den Dreck hinausgeschaufelt und die wir dann aufgewaschen haben. Ich sprach mit einem der elf. Er erzählte, daß sie in märchenhaften Fabrikanlagen gearbeitet hatten, die, sieben Stockwerke hoch, acht Kilometer weit im Innern eines Berges lagen. In einem der Stollen seien die Philipswerke mit Maschinerie aus Holland , in einem anderen die Siemenswerke.
In Porta wurden die Gefangenen zur Arbeit angetrieben, bis sie umfielen. Die Dänen wurden zu Muselmännern im Laufe von einigen Monaten. Sie waren ein halbes Jahr dort gewesen, und von etwas über zweihundert waren fünfundsechzig gestorben. Aus den dänischen Rot- Kreuz- Paketen bekamen sie nur das Knäckebrot. Speck, Tabak, Butter, Marmelade, Zucker und ähnliches stahl ihnen die SS. Und das Knäckebrot wurde ihnen auch von organisierten russischen Gefangenenbanden weggerissen, die sie überfielen und bis auf die Haut ausplünderten. Auch die Kleider nahmen sie ihnen weg. Kein Wunder, daß sie Muselmänner geworden waren dem Tode nahe. Jetzt lächelten sie blaẞ und meinten, daß ihre Strapazen und die Zeit ihrer Prüfungen vorbei seien. Dies war ja ein Paradies, dies war ja die Rettung! Dieser Schweinestall! Ja, die gleichen Dinge können wahrhaftig für verschiedene Menschen verschieden aussehen.
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