9. März 1945
Noch immer sitze ich hier und faulenze, eine ganz seltsame Faulheit hat mich ergriffen. Ich tue nichts, ich kann nicht, ich schaffe es einfach nicht. Die Zeit steht mir ja zu meiner eigenen Verfügung, und ich könnte sie wohl zu etwas gebrauchen. Aber nein, es wird nichts daraus. Wir werden ja bald reisen. Das ist wohl der Grund. Jetzt ist schon eine Liste derjenigen angefertigt worden, die mit dem ersten Schub weg sollen. Es wird zwei Trupps geben.
Gestern wurde gemeldet, daß die Angloamerikaner über den Rhein gekommen sind- endlich. Köln ist gefallen, im Osten wird Stettin bald folgen. Dann ist da noch der russische Angriff bei Küstrin, wo ein Keil vorgestoßen wurde, der uns und Berlin ziemlich nahe kommt. Wir meinen jetzt, den Kanonendonner von der Front ständig zu hören, und haben immer Fliegeralarm. Sie kommen regelmäßig jeden Abend, darum müssen wir im Stockdunkeln zu Bett gehen und auch meist im Dunkeln essen. Sonst sind mein Sinn und meine Gedanken an anderen Orten- weit, weit weg. Die Sehnsucht sprengt mich, und ich kann keine Worte dafür finden.
13. März 1945
Samstag waren wir zum letztenmal draußen auf dem Kommando. Als wir am Abend ins Lager zurückkehrten, überraschte Aufbruchsstimmung und Reisefieber in allen Norwegerblöcken. Vierzehn- bis fünfzehnhundert Mann sollen mit dem ersten Transport weg. Bis spät in die Nacht hinein wurde gepackt. Das Gepäck wurde immer zu schwer und die Säcke zum Platzen voll, so daß man von vorne beginnen mußte. Es ist gar nicht so leicht, sich von so manchem, was man in diesen Jahren liebgewonnen hat, zu trennen, und schwierig, alles gepackt zu bekommen, wovon man sich unter keinen Umständen trennen möchte. Es könnte ja eine Filzung geben, und dann dürfte der Sack nichts enthalten, was gegen die Bestimmungen ist! Es war ein Uhr geworden, als wir bei Fliegeralarm im Stockdunkeln endlich in unsere Betten fanden. Aber es gab
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