bedient. Erstens sind sie des Schießens unkundig, zweitens haben sie Angst, wenn es knallt, und da auch die Munition knapp ist, lassen sie es lieber. Es steigt praktisch genommen kein deutscher Jäger mehr auf, um den feindlichen Bombern zu begegnen. Sie haben kein Benzin mehr. Die Brände in Berlin und in anderen Orten können nicht gelöscht werden. Es fehlt an Wasser, und es sind keine Leute da. An den Wegen von hier nach Küstrin und anderen Teilen der Front stehen die Autos in dichter Reihe. Kein Benzin! Warum in des Himmels Namen wird dieser Wahnsinn fortgesetzt?‘ Derjenige, der so sprach, ist ein hundertprozentiger Nationalsozialist.
Bernti Lund hat einen Brief von seiner Mutter bekommen, die in Schweden lebt. Sie schreibt, daß man dort angefangen habe, einen ‚Kindergarten‘ einzurichten, wo sie ihre Kinder betreuen dürfen. Jungen und Mädchen! Die Kinder könnten in zwei Monaten einziehen, heißt es, und der Brief wurde vor einem Monat geschrieben. Es muß ja wohl doch etwas daran sein, an diesen Gerüchten vom schwedischen Roten Kreuz. Das ist klar. Aber daß wir nach Schweden überführt werden sollen, daran habe ich noch nicht zu denken gewagt. Jetzt werde ich wohl immer daran denken müssen, aber mit dem Glauben warte ich lieber bis später. Der Brief hat hier neuen Optimismus hervorgerufen. Viele halten jeden Tag, den wir hier sind, für den letzten in Sachsenhausen.
4. März 1945
Sonntag- vielleicht der letzte in Sachsenhausen. Heute abend sollen alle zum Appell antreten. Es sicht beinahe aus, als ob wir abreisen sollten! Offensichtlich geht es nach Neuen- gamme. Sammellager zwecks Weitertransport?NachNorwegen oder Schweden ? Gestern kamen Gefangene aus Ravensbrück hierher, darunter einige wenige Norweger . Im übrigen waren noch achtzig Kinder dabei- zwischen vier und acht Jahren-, gefährlich für das Dritte Reich! Viele von ihnen waren im Konzentrationslager geboren.
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