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Ich glaube, daß die Wasserblasen des Jungen die Hauptrolle in seiner Urteilsfähigkeit übernommen hatten. Ungefähr zwei Meilen am Tag zurückzulegen ist nicht gefährlich, selbst für Leute, die nicht trainiert sind. Und mit Traggeräten, Ruck- säcken oder was man sonst organisiert haben mag, sollte man es doch schaffen können, jedenfalls zwanzig Pfund mit sich zu schleppen. Das könnte dann der Schlafsack, die Wolldecke, einmal Wäsche zum Wechseln und etwas Essen sein. Wir müssen mal sehen. Keiner vom Spind meldet sich für den Zugtransport. Wir glauben, daß wir es werden schaffen können, wenn wir auch„hoch in den Jahren‘ sind.
Der Zugtransport sollte gestern abgehen, dann wurde er auf heute verschoben, und nun kam Bescheid, daß die Norweger nicht mit sollten. Die Norweger werden immer besonders be- handelt. Es scheint, daß man uns bis zum Schluß zurückhalten will. Vorgestern war Generalappell im Lager für alle, die keine Kommandos haben, zu Hause sind oder in den Blocks arbeiten. Die Norwegerblocks mußten nicht antreten; verirrte sich irgendein Norweger dazu, so wurde er herausgeholt und auf den Block zurückgeschickt. Die anderen wurden auf die Transportlisten gesetzt, mit Ausnahme der Deutschen wahr- scheinlich. Sie werden auch hier zurückgehalten.
Gestern bekam ich zwei Briefe von Kari, aber keine Pakete oder Kleinigkeiten, obwohl ich aus den Briefen ersehe, daß sie ständig schickt. Es kommen wohl ganz ausgedehnte Post- diebstähle vor, das ist klar. Jetzt ist es leer im Spind. Ganz bis zum Boden ist es ausgekratzt, wir haben tatsächlich nur noch Mittagessen für heute, außer trockenem Brot und unseren „Panzerportionen“, die wir für den Evakuierungsmarsch zurückgelegt haben. Auch mit Tabak ist es aus. Falls wir nicht heute oder morgen irgendeinen„Paketbeitrag‘‘ erhalten, fürchte ich, daß wir wieder mit„Steckrüben“ anfangen müssen. Und dann geht es bergab zur Muselmanngrenze. Einige Wochen werden wir es immerhin schaffen! Uns ist es ja kaum einen einzigen Tag schlecht gegangen- ernährungs-
“ technisch gesehen- und eine gute Grundlage haben wir alle
miteinander.
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