selten in einen Wortstreit mit Erik ein, hört nur zu und radiert Eriks dick aufgetragene Farben ab, ohne etwas zu sagen. Scott hört auch zu und sagt weniger, außer wenn sich eine Gelegenheit zu einer frischen kleinen Wortkeilerei eröffnet. Dazu biete ich meist Anlaß, denn ich kann den Mund nicht halten.. Dann knallen die Ansichten gegeneinander. Trotzdem herrscht immer gutes Wetter bei uns. Spind 18 hält zusammen, wir sind hervorragende Freunde durch dick und dünn, seit Tagen, Wochen, Jahren. Der Liebste in unserem Kreis ist Arvid. Er ist immer unterwegs für andere. Wenn man Arvid irgend etwas nennt, das man entbehrt, dann tut er alles, um es herbeizuschaffen. Wenn man Hilfe sucht für einen Muselmann, ist Arvid immer bereit. Er fragt nicht, wer und was und warum, packt die Sache gleich an, nimmt aus seinem Spind heraus, was gebraucht wird, und gibt. Alle möglichen Unannehmlichkeiten wie Suppe- und Kartoffelholen usw. nimmt er auf sich, selbst auf die Gefahr hin, daß er es auch wieder wegtragen muß. Er hat nie nein gesagt. Nachdem er sich damit abgequält hatte, Erik und mir Rucksäcke und Tragriemen für die Evakuierung zu beschaffen, hatte er für sich selbst noch nichts. Es gibt wirklich nicht viele, die in diesem Fall erst an andere gedacht hätten. Wenn man etwas herbeischafft, was besser ist als das, was andere haben, und das man vielleicht durch ein außergewöhnlich gutes ,, Organisationsvermögen" erreichte, dann empört er sich nicht über das Ungerechte daran, wie es uns anderen passieren kann. Er wird auch nicht neidisch, sondern freut sich darüber, daß der Betreffende etwas so Schönes herbeigeschafft hat. Es tut so gut, so etwas zu sehen. Es hilft einem, das zu bewahren, was man einfach nicht verlieren darf. Denn hier wurden nicht nur tote Menschenleiber verbrannt und vernichtet, hier sind nicht nur junge, kräftige Gestalten zu Muselmännern geworden, zu Knochengestellen und Krematoriumsbrennmaterial. Auf diesem Schlachtfeld sind auch der jugendliche Glaube und die jugendliche Begeisterung von Tausenden zugrunde gegangen, der Lebensfunke von Unzähligen ist in Dunkel und Roheit erloschen. Ideale sind verschwunden, die Nächstenliebe ist in vielen Herzen zu Eis gefroren, der Glaube an die Zukunft, der
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