unten in einem einzigen grauenvollen Augenblick zu entschwundenen Träumen geworden, daß sich keiner sicher fühlen kann.
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10. Februar 1945
Als wir gestern abend von der Arbeit zurückkamen, ging ein Transport zum Tor hinein, der in einer außergewöhnlich verkommenen und elenden Verfassung war. Es waren wandernde Skelette ohne anständige Kleider, und ein großer Teil von ihnen war barfuß. Einzelne konnten sich nicht aufrecht halten und wurden von den Kameraden mitgeschleppt. Einer wurde in einer Wolldecke getragen. Ein paar fielen im Tor um und versuchten verzweifelt, wieder auf die Beine zu kommen, um den Tritten der SS zu entgehen, die auf beiden Seiten der Toröffnung stand und brüllte: Seitenrichtung! Aufstehen! Kopf hoch! Finger lang! Und noch andere muntere Zurufe galten diesen halbtoten Menschen. Diejenigen, die vor Ermattung umfielen sie wären wohl am liebsten ewig liegen geblieben, wurden getreten und ausgeschimpft. ,, Du verfluchter Schweinehund! Aufstehen! Weitergehen! Schnell, du brauchst deine Schuhe nicht, laß sie bloß liegen, du Idiot! Morgen gehst du sowieso ins Krematorium! Also los, Mensch! Hörst du nicht? Los, los!" und die Tritte trafen am Kopf, im Rücken, in den Rippen, und die Schimpfwörter hagelten. Oh, wenn man doch nur sterben dürfte! Sterben und wegbleiben. Denn dies war schlimmer als die Hölle! Zuletzt hatten sich alle durch diesen fürchterlichen Spießrutengang im Tor durchgeschleppt und waren auf den Platz gekommen, wo sie ,, frei" atmen und sich auf den Tod vorbereiten konnten. Auf dem Marsch über den Appellplatz blieben wieder viele liegen. Es waren ,, unsere" SS - Leute, die wir täglich sehen und die wir ab und zu versucht sind als ,, nett" und ,, ungefährlich" zu bezeichnen, die die halbtoten Skelette traten, sie ausschimpften und ihnen das Krematorium versprachen. Es kommt bei ihnen allen nur darauf an, daß der erste Stein geworfen, die Parole ausgegeben wird dann wissen sie nur noch, daß sie Todeskandidaten gegenüberstehen, daß sie der ,, Natur" freien Lauf
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