die Kameraden aus dem Schlafsaal geführt wurden, und hatte sich vorgedrängt, um zu hören, was los sei. Der Blockälteste (der gefürchtete Jacob) wollte ihm wohl und flüsterte ihm zu, er solle machen, daß er wegkomme, damit er nicht gesehen werde. Er aber antwortete, daß er dort sein wolle, wo die Kameraden seien. Ein SS-Mann entdeckte ihn kurz darauf und fragte erstaunt, ob noch ein Engländer da sei. Seine Nummer und sein Name wurden notiert. Ungefähr eine Stunde später holten sie auch ihn. Aber ein Fliegeralarm kam da- zwischen und er wurde in der Eile auf 58 geschoben. Schlampig und zufällig, wie alles hier vor sich geht, kann es sein, daß er vergessen wurde, und daß der Fliegeralarm ihm das Leben gerettet hat.
9. Februar 1945
Die Evakuierung geht weiter. Jetzt sind wohl nahezu zehn- tausend evakuiert, aber keine Norweger, ausgenommen ein kleiner Transport solcher, die gerade vom Revier ausge- schrieben waren, und ein paar anderer, die auch kein Arbeits- kommando hatten. Der Transport sollte nach Bergen-Belsen bei Hannover gehen. Die Tätigkeit im Krematorium hat nicht nachgelassen. Es wird Tag und Nacht verbrannt. Im Industrie- hof herrscht auch ununterbrochene Tätigkeit. Ständig hören wir von Juden und Muselmännern, die vergast werden. Es wurde erzählt, daß gestern alle kranken russischen Kriegs- gefangenen an der Reihe waren. Ob es wahr ist, ist schwer zu sagen. Das Lager wimmelt von Gerüchten und- Angst, Todesangst.
Ein jüdischer Freund kommt jeden Tag zu mir. Er hat Angst vor dem Tode, und das ist keine Schande. Es sieht aus, als ob sich das Netz um die Juden immer enger zusammenzöge. Sogar für die Uhrmacher besteht Gefahr. Aber gestern hat Keil neue Hoffnung gefaßt. Der Leiter des Kommandos hat erzählt, daß sie nach Bergen-Belsen geführt werden sollten, wohin auch schon die Uhren und das Werkzeug geschickt worden seien. Der Evakuierungsplan sei bereits fertig, und die Evakuierung sei ein„Faktum‘, sagte er. Solche„Fakten“ sind so oft hier
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