und„Gesicht“ sprechen kann. Es sind ja alles nur Totenschädel und sie gleichen den Totenschildern am ‚‚Todeszaun“, der das Lager umgibt. Totenschädel sehen wohl ungefähr alle gleich aus. Selbst eine Mutter würde wohl kaum ihren Sohn unter Totenschädeln auf dem Friedhof wiederfinden. Welcher Ab- grund von Resignation und Leiden starrt dir doch entgegen, ohne Worte, ohne einen Laut! Wie soll man jemals wieder diese starrenden Augen loswerden? Mit Grausen und mit Widerwillen muß man einsehen, daß man nach und nach ab- gestumpft wird und daß es eine unabwendbare Notwendigkeit ist, so zu werden, eine Art Selbstverteidigung. In diesem Todes- tanz treiben auch Verbrecher ihr Spiel, Schwindler, Raub- mörder, Bank- und Taschendiebe, Betrüger— die'meisten von diesen nehmen übergeordnete Stellungen im Lager ein und können sich innerhalb dieser Gemeinschaft frei bewegen. Sie stehlen das Essen aus dem Mund des Hungrigen, die. Kleider vom Körper des Frierenden, geben Kameraden an und ge- nießen dadurch die Gunst der SS.
30. Januar 1945 Vorgestern kam ein Transport von zweitausend Mann, meist Juden, aus Auschwitz an. Zweihundertundsechzig Leichen waren dabei. Sie hatten zehn Tage und Nächte auf offenen Eisenbahnwagen zugebracht, auf Kohlenwagen, wo sie in Schichten übereinandergelegen hatten. Sie hatten nicht auf- stehen oder sich sonst bewegen dürfen. Die mittleren Schichten waren am besten weggekommen, die untersten und obersten waren erfroren. Sie hatten diese zehn Tage und Nächte nichts zu essen gehabt. Seit sie hierherkamen, sind die Chirurgen auf dem Revier ununterbrochen damit beschäftigt, Arme und Beine zu amputieren. Die anderen Ärzte versuchen, diejenigen, die- den Transport überstanden haben, am Leben zu erhalten. Aber selbstverständlich sterben sie haufenweise.
ı. Februar 1945
Gestern war der Zwölfjahrestag des Naziregimes in Deutsch - land. Abends habe der Führer gesprochen, heißt es. Die Rede, die ich in der Zeitung gelesen habe, bestand im wesentlichen
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