In diese Isolierung begab ich mich also gestern morgen. Es waren noch nicht viele Gefangene dort versammelt. Darum dachte ich, es handle sich nur um eine kleine Gruppe, die in derselben Lage ist wie ich, das heißt ohne Kommando, und die ganze Vorstellung(wie man dies nennt) sei im Laufe einer halben Stunde abgewickelt. Bald bekam ich Gelegenheit, die Sache anders zu betrachten. Es war beißend kalt, vierzehn Grad Kälte und Nebel. Ich fror wie ein Hund. Allmählich füllte sich der Hof mit Gefangenen. Sie strömten herein durch das Tor und aus den Blocks innerhalb der Absperrung. Es waren Juden, Ungarn, Belgier, Franzosen, ein oder zwei Deutsche , Slowaken, Polen, Russen, Dänen und Norweger . Ich fing an, sie mir näher zu betrachten. Es war entsetzlich. Am schlimmsten stand es um die Juden und die übrigen Zugänger. Die meisten von ihnen waren barfuß. Ich ging zu einigen hin und sprach sie an. Ob sie frören? Was für eine Frage, aber was sollte ich denn fragen? Ihre aufgeschwollenen blauen Füße gaben die Antwort. Sie sagten, daß sie jetzt nicht mehr soviel fühlten. Am schlimmsten sei es gleich, nachdem sie herauskämen.
Ich ging zu anderen. Einer hatte ein Gesicht wie eine über- reife Melone mit Lippen wie aufgesprungene Knackwürste, und der Eiter strömte aus den offenen, blutigen Rissen. Er konnte kaum sprechen. Seine Füße waren in der gleichen traurigen Verfassung, blau vor Frost und voller Wunden. Er zog die zerlumpte Hose hoch, die ihm um die Beine hing und die er hatte auftrennen müssen, damit er die Füße und die Beine durch die Hosenbeine stecken konnte. Mehr hatte er nicht an. Einen Lumpen von einer Jacke und darunter einen Lumpen als Hemd, ohne Knöpfe am Hals- das war alles, was er am Oberkörper hatte. Auf dem Kopf trug er ein Gebilde, das wohl einmal ein Filzhut gewesen war.
Ich ging weiter und traf meinen Freund Strauß- meinen Schützling, dem der Arzt Schonung und leichtere Arbeit ver- ordnet hatte. Er müsse sitzen, hatte der Arzt gesagt, dürfe nicht frieren und müsse gut essen. Jetzt mußte er hier stehen. Er war zum drittenmal zur Vorstellung beordert, trotz der„‚Scho-
250


