13 waren unten
Und wir gingen zum Abendbrot, das wir mit ungemindertem Appetit verzehrten. Seine Kameraden von Nr. und schauten ihn an, wie er da hing. ,, Er war ja unser Kamerad. Wir mußten ihn uns doch ansehen!"
17. Januar 1945
Der gestrige Tag war eine Qual von morgens bis abends. Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, ein Bild davon zu geben. Ich bekam vorgestern abend den Befehl, am folgenden Tag in der Russenisolierung zu erscheinen, um dem Arbeitseinsatz vorgestellt zu werden und ein Kommando zu bekommen. Ich ahnte, daß das schief gehen würde, denn bei solchen ,, Vorstellungen" werden ja die Transporte aufgestellt. Aber man versicherte mir, daß davon für mich keine Rede sein könne. Es sei der gewöhnliche Weg, ich müsse nur dorthin gehen, und dann werde mir ein Kommando auf ,, Herz As" zugeteilt werden. Das sei ja alles schon längst in Ordnung. Punkt acht Uhr erschien ich innerhalb der Russenisolierung, eines abgesperrten Gebiets zwischen Block 11 und 12, wo einige hundert russische Kriegsgefangene wohnen, die hier arbeiten, aber aus irgendeinem Grunde isoliert sind und nicht mit Schutzhäftlingen verkehren dürfen. Hier wohnen Juden und Zugänger, bevor sie einem Kommando zugeteilt oder mit Transporten weggeschickt werden. Hier befindet sich auch der ,, Todestrupp" unter starker Bewachung auf einem besonderen Block. Das sind Sabotagebanden oder Plünderungsbanden aus Berlin und anderen Städten, oft ganz junge Burschen bis zum Alter von zwölf und vierzehn Jahren. Allen diesen Gefangenen werden schwarze Kreuze ins Gesicht gemalt, eines auf die Stirn und eines auf jede Wange. Die Gefährlichsten unter ihnen tragen Tag und Nacht Handschellen, andere nur nachts. Hier wohnen außerdem Geflüchtete, die man wieder eingefangen hat und die in der Regel darauf warten, erhängt zu werden. Die ,, Todestruppen" warten auch auf den Tod. Hier wohnt auch das ganze Strafkommando SK, Schuhläufer, die damit beschäftigt sind, verschiedene Arten von Schuhen auszuprobieren.
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