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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
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Aquarelle einrahmen und sie an die Wand hängen. Einfach Diebstahl, ganz gemeiner Diebstahl. Es ist kein Wunder, daß er keine Lust hat, mit dem Bestohlenen zu sprechen. Die An­gelegenheit ist eigentlich furchtbar einfach, von dieser Seite aus betrachtet.

Na gut, ich kam an jenem Tag nach Hause, mit meinen Zeichensachen und anderen Dingen beladen. Ich ging sofort mit Scott zusammen zum Vorarbeiter auf ,, Herz As", um meine Umsiedlung nach dort zu sichern. ,, Herz As" ist das Kom­mando, wo Scott arbeitet, und dort gibt es keine SS. Das ging in Ordnung. Als wir auf den Block zurückkamen, trafen wir Erik. Er hatte Nachrichten, Unannehmlichkeiten! Wo be­fanden wir( Erik und ich) uns am 5. Januar, und wo war Nansen am 3.? Am 3. war ich auf ,, Herz As", um mich dort zu orien­tieren, und am 5. waren wir beide auf der Schützengilde- einem Außenkommando-, von wo aus wir mit einem Lastauto eine lange geplante Reise nach Berlin machen wollten, zu der es jedoch nicht kam. Wir hatten also geschwänzt, und es war entdeckt worden. Das wußten wir schon früher, aber wir glaubten, den Sturm beschwichtigt zu haben, indem wir er­klärten, daß wir bei der Ambulanz und beim Zahnarzt ge­wesen seien. Aber das war offenbar untersucht worden und hatte ein trauriges Ergebnis. Wo waren wir gewesen? Im Geiste sahen wir uns schon auf Nr. 38 nach Erhalt der fünfundzwanzig Schläge- wenn es nicht noch schlimmer käme. Es sah in der Tat bunt aus! Wir fingen an, von Herodes zu Pilatus zu laufen, um einen Rat zu bekommen, was zu tun sei. Und wir fanden am Ende auch den Richtigen. Ehe die Nacht einbrach, war die Sache in Ordnung. Unser Mann versicherte uns, wir könnten ruhig schlafen.

Und seither bin ich hier im Lager herumgelaufen ohne Arbeit, ohne Kommando. Man soll nämlich nichts selbst arrangieren. Man soll nicht auf ein Kommando gehen, auf dem man nicht verlangt wird. Man muß warten, bis einem die höchste Stelle im Arbeitsdienst Bescheid gibt, und einen solchen Be­scheid habe ich noch nicht bekommen. Ich habe im Grunde ge­nommen nichts dagegen, so ein wenig zu faulenzen

wenn es

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