auf dieser Plattform angerollt. Nachdem die Wagen geleert waren, wurden die Juden zu je fünf auf der Plattform aufge- stellt und verlesen. Alle Gesunden und Arbeitsfähigen wurden herausgeholt. Der Rest sollte in die„Bäder“. Alle kleinen Kinder gingen in das„Bad“, jede Frau, die ein Kind auf dem Arm trug, ebenfalls die Alten und Gebrechlichen. Dies wußten jene, die auf der Rampe arbeiteten, und alle, die täglich dieses Schauspiel beobachteten. Aber die armen Opfer, die mit dem Transport kamen, ahnten nichts.
Darum mochte es einer jungen, starken Frau brutal und un- verständlich erscheinen, als Konrad Kaplan kam und ihr das Kind, das sie auf dem Arm trug, wegnahm und es einer alten Frau in den Arm legte. Konrad wollte die junge Frau retten. Er konnte es nur auf diese Weise tun, ohne Worte zu machen und ohne etwas zu erklären, nur bestimmt. Das Kind und die alte Frau mußten ja auf jeden Fall sterben! Und dann- nach- dem diejenigen, die sterben sollten, von denen, die leben sollten, getrennt waren, setzte sich der Todeszug in Richtung auf die Krematorien in Bewegung. Dort gab es außer den Gaskammern und den Verbrennungsöfen, die achtundvierzig Leichen auf einmal faßten, einen großen Entkleidungsraum, wo die Opfer hineingeführt wurden mit dem Bemerken, daß sie baden sollten. Sie zogen sich nichtsahnend aus und betraten das Bad, das nebenan lag. Und dann kam Gas an Stelle von Wasser aus den Duschen. Wie lange es dauerte, bevor sie starben, wußte Wolf- berg nicht, auch nicht, ob der Tod schmerzhaft war. Der Weg aus dem Bad zum Ofen war kurz. Dieser Prozeß hat sich jetzt mehrere Jahre hindurch ohne Unterbrechung vollzogen, und trotzdem haben die fünf Krematorien nicht genügt. Auch draußen im Freien mußten Leichen verbrannt werden. Als Brennmaterial benutzte man Holz und Kohlen sowohl in den Krematorien als auch draußen. Das Feuern, das Zurechtlegen der Leichen und alles sonst wurde natürlich von den Gefan- genen selbst besorgt. Kein SS-Mann faßte mit seinen Händen eine so schmutzige Arbeit an, wie es das Töten von Juden be- deutet.
Ein kleiner Judenjunge, zehn bis zwölf Jahre alt, sollte in
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