22. Oktober 1944
Die Geschichte von Kunke sieht etwas anders aus: Irgend- ein prominenter deutscher Gefangener war auf Befehl von Kunke auf 58 gesetzt worden. Er bat, sich erklären zu dürfen. Nein. Er bat, mit dem Lagerführer sprechen zu dürfen. Nein. So floh er denn eines Tages aus 58 und suchte Lagerführer Höhne auf. Das, was er ihm von Kunke erzählen konnte und wofür er auch Beweise hatte, war derart, daß der Lagerführer augenblicklich eingriff. Er schickte nach Kunke, und nach einigen einleitenden Bemerkungen bekam er einen in die „Schnauze“.: Der andere Lagerführer, Kolb, war dazu- gekommen, und jetzt zerrten die beiden Kunke vor die Block- führer, wo er nach einigen Runden ‚auf die Schnauze‘ fünf- undzwanzig Stockschläge bekam. Er benahm sich erbärmlich, weinte wie ein Kind und schrie. Danach nahm Kolb ihn mit auf 58, wo er ihn den Gefangenen zeigte.„Hier seht ihr den- jenigen, der euch betrogen hat, ich halte es für richtig, daß ihr jetzt mit ihm abrechnet!“ Dann befahler, Kunkes bestenFreund im Lager zu holen- nämlich den Büttel, und zwar sofort. Und der Büttel mußte seinem besten Freund fünfundzwanzig Schläge geben. Danach wurde Kunke vom Blockführer und den Gefangenen geschlagen und getreten, bis er mit seinen „Kameraden“ von 58 zusammen mit einem Transport weg- geschickt wurde, von dem er wohl nicht lebend zurückkehren wird.
23. Oktober 1944
Man merkt es deutlich, daß viele erleichtert aufatmen, nach- dem sie den Dämon Kunke losgeworden sind. Seine Leute sind offensichtlich vorsichtig. Bei den Morgenappellen kommt es kaum noch zu Untersuchungsszenen und heftigen Auftritten. Man kann allmählich anfangen, etwas Essen mit auf die Arbeit zu nehmen. Im übrigen sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß noch weiter aufgeräumt wird. Das wird wohl auch nicht mehr geschehen.
Gestern war ich im Konzert. Dem Gefangenenortchester war es wieder einmal erlaubt, sich hören zu lassen. Es war lange
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