ich durchkam. Aber es ging selbstverständlich, und selbstverständlich konnte ich auch nachher lachen, wenn ich auch steif war wie ein Stock. Ich glaube nicht, daß ich das nächste Mal wieder lache. Scott hat zweimal Strafgymnastik gehabt. Auf jeden Fall werde ich ihn nächstes Mal nicht mehr auslachen.
Dann habe ich Gott sei Dank drei Tage Schonung gehabt. Das konnte ich gebrauchen nach dieser Anstrengung, und zum erstenmal habe ich es genossen ,,, zu Hause" auf dem Block zu sitzen. Aber Ruhe gibt es selbstverständlich auch hier nicht. Es herrscht ein Betrieb und ein Lärm von morgens bis abends, und wenn man nicht todmüde ist, kann man nicht schlafen. U. a. muß man ja Essen holen, schwere Eimer schleppen, Schlange stehen, Schelte entgegennehmen und dem einen oder anderen zur Verfügung stehen, meist einigen schimpfenden, halberwachsenen Deutschen , die" the time of their life" haben. Sollen sie es haben. So sehr lange wird es nicht mehr dauern. Mannerheim ist jetzt endlich auch in derselben Kategorie gelandet wie Badoglio und König Michael und die anderen ,, Verräter". Er, der vor kurzem noch mit Deutschlands höchster Auszeichnung mit Schwertern, Eichenlaub und Brillanten und Gott weiß was dekoriert wurde, wird heute ausgeschimpft, ein ehrloser Greis zu sein, der feige und gemein sein Vaterland und seine deutschen Waffenbrüder verraten habe.
Jetzt ist es wirklich Herbst geworden. Der Sommer ist plötzlich und endgültig vorbei. Man ist schon gezwungen, die deutsche Unterwäsche hervorzuholen, von der man glaubte, daß man sie nicht mehr gebrauchen werde, als man sie im Frühjahr in den Pappkarton legte. Nicht ohne ein gewisses unheimliches Gefühl und Entsetzen sitze ich hier und rechne aus, daß es nur noch knappe drei Monate sind bis Weihnachten.
30. September 1944
Und damit zerbrach die Hoffnung, Weihnachten nach Hause zu kommen. Vielleicht war Churchills Rede gestern die Ursache, als er sagte, man solle auf" several months of 1945" gefaßt sein. Vielleicht war es eine kräftige Reaktion nach nervlich
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