berührt setzten sie ihren Kurs fort; und es schien, als wenn zwei der angreifenden Jäger abstürzten. Beinahe jede Nacht haben wir Fliegeralarm. Den schweren Explosionen nach zu urteilen müssen die Angriffe heftig sein.
An dem Tag, nachdem ich das letztemal schrieb, wurde beim Abendappell wieder ein Mann erhängt. Wieder war ein Fehler an der ,, Apparatur". Er fiel zu weit und erreichte mit den Beinen die Erde.
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14. September 1944
Einer der gefährlichsten deutschen ,, Gängster" aus Berlin . ( d. h. ein Saboteur), der hier saß die meisten sind in Ketten-, wurde neulich hingerichtet. Aber vorher unternahm er noch etwas. Auf irgendeine Weise hatte er ein Taschenmesser ergattert, und es war ihm gelungen, es bis zur Richtstätte im Industriehof mitzuschmuggeln. Ausgerechnet auf dem Schafott ging er auf den Büttel los und zerschnitt ihm das Gesicht, die Brust und mehrere andere Stellen, so daß er eiligst auf das Revier gebracht werden mußte. Es scheint, daß er es überlebt. Der Todeskandidat hatte Handeisen an. Es war deshalb keine Kleinigkeit für ihn, den Henker dergestalt zuzurichten. Keiner beklagt den Büttel. Früher oder später wird er wohl auch abgefertigt werden, und es gibt kaum jemanden, der einem solchen Menschen das Leben wünscht.
18. September 1944
Gestern wurde ein erlösendes Wort durch den Äther geschickt:" We are pouring in through the gap in the Westwall." Mehr konnten wir nicht aufschnappen, aber das genügt schon. Es wurde ein strahlender Sonntag, und die Stimmung stieg um mehrere Grade auf der ganzen Linie.
Täglich finden Hinrichtungen im Industriehof statt. Durchschnittlich sechs bis acht am Tag sagt jemand, der Gelegenheit hat, es täglich zu beobachten. Neulich wurden vier Frauen in den Todeskeller geführt. Zwei von ihnen waren schöne junge Mädchen. ,, Verflucht hübsch", sagte mein Vertrauensmann.
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