Lucian ist ein Schwein, schlägt und tobt täglich. Für ihn kann kein Schicksal hart und schrecklich genug sein, meint Erik.
Gestern wurden wir beim Einmarsch zur Arbeit wieder einmal gefilzt. Diesmal waren sie wahrscheinlich hinter Waffen her. Eine solche Filzung schafft immer eine große Unruhe und Nervosität unter den Gefangenen. Sie mögen gar nichts Gefährliches bei sich haben, allein der Gedanke an Stockschläge und Peinigungen, an Faustschläge und Teufeleien bringt sie schon zum Zittern, und in Hunderten von Fällen verlieren sie das Gleichgewicht ganz und gar. Sie werfen alles mögliche von sich: Pfeifen, Zigarettenmundstücke, Hosen, Gürtel usw., und auf dem Weg und am Wegrande liegen die merkwürdigsten Dinge verstreut- angefangen von den genannten Dingen bis zu Brot und Regenmänteln. Einige sind derart außer sich vor. Nervosität, daß die Posten annehmen, sie hätten etwas Gefährliches bei sich, und deshalb eine besonders gründliche Untersuchung vornehmen. Ein Riemen, der normalerweise sicher um die Taille des Gefangenen gesessen hätte, wurde wahrscheinlich aus purer Furcht, weil er natürlich ,, organisiert" war, um die Wade unter der Hose gewickelt. Er wurde gefunden, und die Sache war klar: Er hatte ihn gestohlen! Das geschah gestern. Der Gefangene erhielt als Einleitung einige Schläge mit dem Riemen ins Gesicht, nachher wird er dann wohl in SK geschickt, wenn es nicht noch schlimmer endet. Man muß sich an den Jungen erinnern, der neulich erhängt weil er Leder für ein Paar Schuhsohlen organisiert
wurde hatte.
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30. Juli 1944
Im Osten geht es mit Riesenschritten vorwärts. Die Städte fallen wie Erbsen aus einem Sack. Sogar im deutschen Rundfunk spricht man schon von ,, südöstlich von Warschau ". Man sollte meinen, daß Warschau diese Woche noch fiele, und dann ist es nicht mehr weit bis zur deutschen Grenze!
Im Lager wird zur Zeit viel gefilzt. Die Stimmung ist darum etwas nervös. Heute sind einige zum Strafexerzieren befohlen, weil sie Tabak, Eßwaren und irgend etwas anderes mitge
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