14. Juli 1944
Heute ist Nationalfeiertag der Franzosen . Die Freiheit, die sie feiern können, mag noch gering sein. Nur ein kleines Stück der Normandie ist frei, und dort gibt es nur noch Ruinen. Aber dieser Teil ist von einer Gewaltherrschaft befreit, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat, er kann wenigstens wieder frei atmen. Ja, wenn man das wieder könnte- und wenn es zwischen Ruinen sein sollte!
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15. Juli 1944
Gestern floh ein Mann von unserem Kommando. Es war ein Ukrainer, der es zu schwer gehabt hatte. Er war lange im Strafblock gewesen, war geschlagen und ausgehungert worden, wurde Muselmann und jetzt wollte er von dem Ganzen weg. Eine Gruppe Gefangener mußte bis acht Uhr gestern abend suchen- aber wir fanden ihn nicht. Heute wurde er in einer der Hallen gefunden, und zwar unter dem Boden, wo er sich versteckt hatte. Gott weiß, wie lange er geglaubt hatte, dort bleiben zu können- ja, was er sich überhaupt gedacht hatte. Nur Verzweiflung und kein Mut, sich das Leben zu nehmen? Das, dem er jetzt entgegengeht, wird nicht schön sein, wohl noch schlimmer als das, was er früher erlebt hat. Er wird mindestens fünfzig Stockschläge erhalten und kommt dann in die SK. Das ist noch schlimmer als Todesstrafe.
17. Juli 1944
An den Fronten geht es gleichmäßig und sicher vorwärts, die Geschwindigkeit ist untadelig, und in Deutschland heißt die Parole allmählich: Das Vaterland ist in Gefahr! Es ist aber unmöglich, ein Ende des Ganzen abzusehen, wenn man kein Riesenoptimist ist, wie ich das manchmal bin. Aber es geht auf und nieder. Das muß ich zugeben!
Kari, die Kinder und Mutter sind auf Wormseter, und ich bin froh darüber. Wenn sie doch recht lange dort bleiben wollten. Man kann nicht wissen, was zu Hause, so ganz in der Nähe von Fornebu passieren kann, wenn es krachen sollte.
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