kam, aber am Abend kamen sie wieder und da gab es einen Großangriff auf den Osten von Berlin , erzählte mein Freund, der Zivilarbeiter hier. ‚Nun habe ich Berlin abgeschrieben‘, sagte er.
Ich besuchte Henry gestern. Es besteht kein Zweifel darüber, daß es jetzt bergab mit ihm geht. Er hat keine Schmerzen und lächelt denen, die ihn besuchen, blaß zu. Er versucht tapfer, optimistisch zu wirken, aber es gelingt ihm nicht mehr so gut.
Ich zeichne eine Hütte für mich selbst und habe ständig gute Tage. Meinem ‚„Beschützer‘‘ Steger ist es schon ernst gewesen. Frode arbeitet unten bei den Deutschen und hat zwischendurch etwas frei. Dann kommt er hierher. Rolf hat eine Bestellung auf zweitausend Schlüsselschilder bekommen und kann damit rechnen, daß er den Winter über hier bleibt. Er kann mit Leichtigkeit drei- bis vierhundert Schilder am Tag herstellen, während er einen Auftrag auf zweihundert in der Woche bekommen hat.
Einige Engländer sind hier in der Nähe mit dem Fallschirm heruntergekommen. Die Fallschirme hängen noch in den Bäumen. Die Feuerwehr ist damit beschäftigt, sie herunterzu- holen. Feine Seidenschirme, sagt Bjarne, der mit dabei war.
5. Februar 1944
Neulich kamen einige Männer aus Natzweiler hier an. Was sie von jenem Lager erzählten, ist ganz entsetzlich. Von einem Transport aus Norwegen (dem Weihnachtstransport) von hundertundzwanzig Mann sind neunundzwanzig an Lungen- entzündung gestorben. Von den übrigen liegen noch fünfzig auf dem Revier mit der gleichen Krankheit. Leif hat die beiden gebeten, Oftedal, dem Arzt, mitzuteilen, daß die Norweger in Natzweiler alle hundertprozentig Muselmänner sind. Wenn man an diejenigen denkt, die an diesem Massenmord schuld sind, dann ist es nicht merkwürdig, wenn man die Gewalt über sich verliert vor Haß und Raserei.
Die Nachrichten sind gut, aber die Invasion ist noch immer ein Mythus. Es laufen Gerüchte, daß sie im Lauf von einigen
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