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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
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Wie viel leichter hättest du es ohne gehabt! Wie viel besser hättest du dich dann für dieses Leben geeignet mit all seiner zynischen Roheit!-

Gerade nach diesen zwei Stunden, die ich in der Hölle ver­brachte, kam ich zu der Kabarettvorstellung auf Nr. 23 und machte Spaß! Es war merkwürdig, aber es ging- ohne daß ich mir eigentlich dessen, was ich tat, bewußt war. Das Haus war überfüllt, die Hitze war tropisch und die Stimmung ebenso. ,, Gen Norwegen geht es", vallerallala! Johei! Famose Kerle! Doch, das muß ich sagen, Abwechslung gibt es auch hier.

30. November 1943

Unsere neue ,, Tagesordnung ", die wir bekommen haben, ist wie alles hier ein geordnetes Durcheinander, das zu nichts führt. Wir stehen jetzt morgens um halb fünf Uhr auf. Viertel nach fünf ist für alle Appell. Er dauert ungefähr bis Viertel vor sechs. Dann müssen alle diejenigen, die auf den Kommandos außerhalb des Lagers arbeiten- das heißt die meisten-, zu den Baracken zurückgehen und dort bis halb sieben warten, denn um diese Zeit stellt man sich in Arbeitskommandos auf. Dies dauert wie üblich eine halbe bis dreiviertel Stunde, und dann marschiert man hinaus. Auf diese Weise vergehen beinahe drei und eine halbe Stunde vom Aufstehen bis zur Ankunft auf dem Arbeitsplatz. Hauptsache- das Dasein ist uns etwas saurer ge­macht worden. Dazu wird die Mittagspause um eine halbe Stunde gekürzt und der Abendappell hinausgeschoben bis halb sieben. Das letztere bedeutet, daß wir, nachdem wir nach Hause gekommen sind, anderthalb Stunden warten müssen, bis wir uns zum Appell aufstellen können, um nochmals gezählt zu werden( was bereits drei- bis viermal vorher geschehen ist). Um das Ganze noch schlimmer zu machen, hat der Blockälteste bestimmt, daß wir die Suppe oder den Kaffee erst nach dem Abendappell bekommen. Das ist dann praktisch so, daß wir das trockene Brot um fünf Uhr herum, wenn wir nach Hause halb kommen, essen und den Kaffee oder die Suppe erst gegen acht zu uns nehmen können. Die Schlafenszeit beginnt wie

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