schlecht, und die Zeit läuft merkwürdig schnell. Heute ist es nur noch ein Monat bis Heiligabend. Herrgott Heilig
abend!
25. November 1943
Die Bomber kamen auch gestern. Der Angriff dauerte diesmal nicht länger als eine Stunde, und man hatte nicht den Eindruck, als wenn er ganz so heftig gewesen wäre wie der vorige. Aber er mag auch weiter entfernt gewesen sein. Die Zustände in Berlin sollen schrecklich sein. Der Westen und das Zentrum haben am meisten gelitten und wahrscheinlich auch der An halter Bahnhof . Der Potsdamer Platz und Bahnhof sollen ganz zerstört sein. Man hat kein Wasser, um die Brände zu löschen. Das Elektrizitätswerk ist zerstört, ebenfalls die Rundfunkstationen. Wie viele Menschen umgekommen sind, weiß man noch nicht. Ich habe gestern etwas von achtzigtausend gehört.
Heute war ein abscheulicher Tag. Ein Morgenappell bei strömendem Regen gehört zu den am wenigsten angenehmen Erlebnissen, die wir haben. Wie ertränkte Katzen kehrten wir zu unserem ,, Büro" zurück. Aber ich denke an alle diejenigen, die den ganzen Tag über draußen stehen müssen und arbeiten, arbeiten, bei jedem Wetter. Dagegen geht es uns gut hier relativ gesehen ganz ausgezeichnet.
26. November 1943
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Gestern abend um acht Uhr war wieder Fliegeralarm, aber ich glaube nicht, daß ein Angriff erfolgte. Die Zustände in Berlin müssen schrecklich sein. Die Anzahl der Toten wird jetzt auf über hunderttausend geschätzt. Mehr als eine Million Menschen sollen obdachlos sein. Man spricht von einem Ultimatum, das die Alliierten Deutschland gestellt haben sollen und in dem der 27. als letzte Frist für die Kapitulation angesetzt wird- morgen also. Ich fürchte, daß es nur eine Phantasie der Gefangenen ist.
Unsere Arbeit stockt. Die Schreinerei, die unsere Tiere und Sachen mit der Laubsäge aussägt, beliefert uns zu langsam, und in letzter Zeit ist es ,, unserem" Mann, den wir dort haben,
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