Und danach ging man zu Bett und lag dort und lauschte in die Nacht hinaus auf die Geräusche der Bombeneinschläge und des Abwehrfeuers, und man sah, wie der Himmel sich nach jeder Explosion erhellte, wie ab und zu große rote„Trauben“ auf die Erde herunterfielen. Das seien die„Phosphorkanonen“, sagten einige— die furchtbaren, die Feuer und Schrecken um sich verbreiten, wo sie hinfallen.
24. November 1943
Gestern abend war wieder ein schwerer Bombenangriff auf Berlin . Er fing ungefähr um sieben Uhr an. Wir waren gerade fertig mit dem Abendessen. Er dauerte bis zehn Minuten nach halb zehn, und es schien, als ob er noch heftiger gewesen sei als der vorige. Einige Explosionen waren so stark, daß die ganze Baracke rüttelte, so daß man Angst haben mußte, sie könnte weggeblasen werden, falls noch eine Explosion von gleicher Stärke käme.
Heute vormittag war Irsch hier und holte 158 Spielzeuge ab. Er schimpfte heute nicht, im Gegenteil, er war beinahe freund- lich. Die Zeit, in der wir das Spielzeug zurechtlegten, benutzte er, um den Raum etwas zu untersuchen. Er schaute in einen Korb hinein, den wir auf dem obersten Regal stehen hatten. Dort entdeckte er unsere Rasiersachen, Zahnbürsten usw. Es ist verboten, solche Dinge auf dem Arbeitsplatz aufzubewahren. Er beguckte es, legte es wieder auf seinen Platz zurück und sagte nichts. Auf dem Tisch lagen zwei leere Streichholz- schachteln und daneben ein Haufen Zigarettenasche, die nicht zu verkennen war. Er wühlte mit dem Finger in der Asche,nahm die leeren Schachteln und warf sie in den Ofen, aber er sagte nichts. Wir haben uns dahin geeinigt, dies als eine Probe und einen Beweis dafür anzusehen, daß er so etwas auf diesem Sonderkommando durchgehen läßt. Es ist ja alles Schwindel, und unter Schwindlern geht es nicht so genau zu. Wir rauchen jetzt mit einem etwas besseren Gewissen als früher, und kochen Kaffee und Fleischbrühe und braten. Kartoffeln und machen es uns so gemütlich wie eben möglich. Wir haben es gar nicht so
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