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Von Tag zu Tag : ein Tagebuch / Odd Nansen ; aus dem Norwegischen übertragen von Ingeborg Goebel
Entstehung
Seite
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21. November 1943

Es ist wieder mal Sonntag. Halvard bekam gestern einen Brief von zu Hause, mit der Nachricht, daß Thora gestorben sei. Sie bekam Diphtherie auf Grini und ist wahrscheinlich zu spät in ärztliche Behandlung gekommen. Sie starb auf Ulle­vaal. Die arme Frau Lange, die jetzt ganz allein ist! Denn die Kinder befinden sich alle in Gefangenschaft, mit Ausnahme von Sophie, die in Belgien lebt. Frau Lange hat wahrhaftig traurige Jahre schwerer Prüfungen hinter sich. Es fragt sich, ob sie dies übersteht. Halvard macht sich Sorgen um sie.

Gestern bekam ich ein kleines Päckchen mit einem Stück Käse von Massa geschickt. Es ist unglaublich, wie jedes kleine Päckchen und jeder Brief so strahlend aufmunternd wirken.

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22. November 1943

Der Sonntag wurde zu einem betriebsamen Tag. Ich mußte leider meinen Besuch bei den Juden absagen, weil ich zu viel anderes zu tun hatte. Auf Block I war Kabarett und ich mußte etwas auf der Gitarre spielen. Es ging gar nicht so schlecht. Das Lokal war überfüllt, die Begeisterung war stürmisch und die Hitze tropisch. An der guten Laune fehlt es bei den Nor­wegern jedenfalls nicht, wenn auch sonst wohl einiges an ihnen auszusetzen sein mag. Diese gute Laune ist beinahe unheimlich, und zwar deswegen, weil sie sich Seite an Seite mit dem schreck­lichsten Elend zeigt und weil sie immer so verflucht selbst­zufrieden aussieht. Sie wirkt dann geradezu grotesk und un­gehörig. Ich sang einige Lieder, aber ich fühlte, daß es mir Mühe verursachte, daß ich es ungern tat und daß es mir auch gar nicht gelang, weil ich plötzlich und mit einer gewaltigen Stärke empfand, daß diese gute Laune und diese Selbst­zufriedenheit, die, wie es mir schien, den ganzen Raum er­füllten, wie ein Hohn wirkten auf alle die Hunderte anderer, die in den Baracken lagen und im schwärzesten Elend starben. Essen, Essen, Pakete, Heringe, Tabak, Schwindel, Tausch, Organisieren und wieder mal das Essen bilden den Hauptinhalt unseres Daseins- und dabei meinen wir, wir seien Helden.

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