hoffnungslos ihr Kampf sei, daß sie schon längst den Krieg verloren hätten und jetzt nur blind weiterkämpften- gleich einem Boxer, der ,, groggy" geworden sei und nicht mehr sehe wohin er schlage. Eine Reihe nüchterner Aufklärungen über deutsche Niederlagen, die man verschwiegen oder wegzuerklären versucht habe, verbunden mit Aufklärungen über die zunehmende Stärke der Alliierten auf allen Gebieten klangen vollkommen überzeugend und können ihre Wirkung auf die Leser nicht verfehlen. Aber wie gesagt, es steht Todesstrafe darauf, es zu lesen, und es ist fraglich, ob die Leute da draußen das Risiko auf sich nehmen, wie wir das tun.
Im übrigen waren wir gestern den ganzen Tag fleißig wie die Bienen und nahmen uns nur Zeit, von der Arbeit aufzusehen, wenn es Essen gab. Irsch, unser böser Geist, war zweimal hier und beklagte sich darüber, daß das Tempo nicht rasch genug sei. Wir äußerten, daß wir unser Programm, dreihundert Spielzeugteile herzustellen, bis Weihnachten doch wohl abgewickelt haben würden. Er prophezeite, daß wir nicht fertig würden. Es wurde dann nicht mehr darüber gesprochen. Er zählte die Spielsachen und ging. Als er das letztemal hier war, hätte er mich beinahe beim Rasieren erwischt, aber es gelang mir, die Rasiersachen zu verstecken und die Seife von den Backen zu wischen, ohne daß er es sah.
Gestern war ich wieder bei den Juden und erfuhr mehr von den Schrecken. Frode war auch mit. Es graut mir davor, das, was ich gehört habe, wiederzugeben. Ich glaube, ich warte, bis ich mehr erfahren habe. Der Mann, mit dem ich gestern sprach, ist ein Slowake, und er sagte, er möchte mir gerne erzählen, damit jemand diese Dinge wisse, falls er nicht lebend hier wegkommen sollte. In der Beziehung hatte er keine Illusionen. Er ist von Lublin aus hierhergekommen und hat selbst das Schrecklichste vom Schrecklichen, das man sich denken kann, gesehen und erlebt.
Von den Fronten erfahren wir wenig Neues, aber was wir erfahren ist gut. Jetzt muß ich weiterarbeiten.
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