beinahe satt nach den Mahlzeiten. Und das ist lange nicht mehr vorgekommen.
Mir gegenüber sitzt Frode und putzt die Füße der Krokodile mit Grabesernst und einer Gefangenenroutine, die unbezahlbar ist. Er atmet wie ein Walroß, weil er völlig verstopft ist. Tropfen um Tropfen fällt langsam von der Nasenspitze auf die Krokodilsfüße. Vielleicht nennt man das Krokodilstränen?
Jetzt kommt das Dunkel in unsere Werkstätte geschlichen. Uns fehlt die Birne in der Lampe, darum können wir schlecht sehen. Ich wollte etwas Wasser wärmen in unserem Speisenapf, um mich heute abend hier zu rasieren. Denn das kann man unmöglich ,, zu Hause" auf dem Block machen. So long, Kari!
13. November 1943
Regen, Regen! Ein trostloses Wetter, dunkel und traurig wie die Zeit selbst. Es verscheucht die hellen optimistischen Gedanken in weite Fernen. Das Leben kommt einem noch hoffnungsloser und idiotischer vor, noch schmerzhafter und noch endloser. Die SS- Männer, die in Reih und Glied stehen, wenn wir morgens hinausmarschieren nach einem kalten, nassen Appell in beißendem Wind, kommen einem vor wie lebendige Teufel in Uniform, in Teufelsuniform mit dem Totenkopf an der Mütze. Ab und zu laufen sie hinein in die Reihen, um irgendeinen armen Kerl zu schnappen, der vielleicht nicht im Takt marschierte oder die Hände nicht richtig angelegt hatte, als er vorbeischritt. Sie treten ihn, schlagen ihn mit der Faust, brüllen und gebärden sich wie wilde Tiere. Vor den verzerrten Teufelsgesichtern bei solchen Ausschreitungen schüttelt es einen vor kaltem Grauen.
Erik hatte ein Erlebnis in der Speisebaracke gestern mittag. Ein russischer Verräter wurde von seinen Landsleuten geprügelt. Es war schrecklich anzusehen. Er wurde krank geschlagen von zehn rasenden Männern, die auf ihn losfuhren wie wilde Tiere. Dieser Kerl hatte irgendwo in Rußland den Deutschen zur Verfügung gestanden, war Gefangenenwärter seiner eigenen Landsleute gewesen und hatte sie denunziert. Er sei
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