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zusammen und war tot. Sein kranker Bruder, der, den wir seinerzeit aus Dachau gerettet hatten( oder war es Buchen wald ?) und den wir mit viel Mühe und Not nach Norwegen kriegten, wurde in eine Gaskammer geschickt und starb dort. Klein, die Familie Klein, ja, sie starben alle in der Gaskammer. Keil meinte, daß drei bis vier Millionen Juden in Auschwitz und Lublin getötet worden seien in diesen Jahren. Und er glaubte auch, daß mindestens ebenso viele Polen denselben Weg geund ebenso Hunderttausende von russischen gangen seien und ukrainischen Gefangenen. Ist es denn verwunderlich, daß der Haß alle Grenzen sprengt? Ich muß an das Gespräch denken, das ich neulich abends mit dem Blockältesten hatte, dem kleinen deutschen Kommunisten, und mich graust es. Er glaubt nicht- er weiß. Weiß, daß die Menschen böse sind, weiß, daß Brutalität, Roheit und Sadismus Realitäten sind, von denen sie durch lange Jahre beherrscht wurden. Wie soll man es fertigbringen, durch dieses Inferno hindurch seinen Glauben an die Menschheit zu bewahren? Die Jugend! Wo gibt es denn überhaupt noch eine Jugend, die diese Zeit noch nicht vergiftet hat? Die die Lüge, Roheit, den Schwindel nicht schon gesehen und verstanden hat? Und in deren Gemüt sich noch keine dunklen Schatten abgezeichnet haben von all dem Grauen da draußen? Doch, es gibt eine Jugend, die trotz allem noch nicht verdunkelt ist, und ich kenne sie. Ich weiß es, wenn ich an die Freudenschreie des Kleinen denke als er auf der Schranke im Besuchszimmer auf Grini spazierte-, seine festen, kräftigen Arme und Beine seine strahlenden Augen- seine sprühende Begeisterung über das Leben! Und wenn ich an sie denke, die siegesstolz stand und zuschaute, stark und sicher, mit einem unbeugsamen Glauben, den Blick fest in die Zukunft gerichtet ohne mit der Wimper zu zucken.
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Heute sind fünfundzwanzig Jahre vergangen seit dem. Ende des vorigen Weltkrieges! Ein merkwürdiges Jubiläum!
Diesem Tag zu Ehren bekamen wir ein Mittagessen, das war einfach prächtig: Ungekochter, gehackter Weißkohl, kurz und gut. Dazu zwei halbe Scheiben Brot und eine Viertelscheibe
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