hundert waren( oder hoffe ich es vielleicht?). Die meisten sind mit Gas getötet worden. Ganze Transporte wurden direkt in die Gaskammern gebracht und von da aus in das Krematorium. Männer, Frauen und Kinder in allen Altersstufen, aus allen Teilen Europas und aus allen Bevölkerungsschichten. Es gab fünf Krematorien im Lager, und alle fünf waren Tag und Nacht ununterbrochen in Betrieb und das seit mehreren Jahren-. Die Kleider, Schuhe und Wertgegenstände der unglücklichen Opfer wurden gesammelt, sortiert und größtenteils nach Oranienburg geschickt, der Rest wahrscheinlich in andere Konzentrationslager im ganzen Land.
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Keils Bericht wirkt ganz lähmend auf mich. Ich fragte nach Dr. Becker und seinen Brüdern. Sie seien alle in den Gaskammern gestorben. Und die Familie Kaplan? Nur einer, der jüngste Junge, lebe noch. Er sei aus irgendeinem Grunde verschont geblieben, wahrscheinlich, weil er auf einem Kommando arbeitete, wo man ihn brauchte. Die ganze Familie Sherman sei getötet. Und alle, alle die andern! Keil selbst sei verschont geblieben, weil er Uhrmacher sei. Sie hatten Uhrmacher nötig, um alle die Hunderttausende von Uhren zu reparieren, die sie von den Toten stahlen. Jetzt sitzt Keil hier auf einer Uhrmacherwerkstätte und repariert solche Uhren. Auf anderen. Kommandos sitzen Gefangene und zertrennen Kleider und Schuhe auf der Jagd nach Diamanten und Gold, die die Juden in die Kleider eingenäht oder in dem Hohlraum der Damenabsätze und Sohlen versteckt hatten. Ich habe bereits früher erwähnt, welche Geldbeträge auf diese Weise an den Tag kommen und welche Vermögen an Juwelen und ähnlichen Dingen im Lager in Umlauf sind. Bei einem Lager ältesten, einem entsetzlichen Kerl, der noch viel anderes auf dem Gewissen hatte, fand man 130000 Dollar. Es hieß, daß er auf dem Appellplatz erhängt werden sollte wie viele vor ihm- aber bis heute geschah es nicht. Er befindet sich jetzt in der Strafkolonne und ist ein körperliches und seelisches Wrack.
Aber zurück zu Auschwitz und Keil. Ich fragte ihn nach dem Rabbiner Samuel. Ja, der sei auf der Treppe vor einer Baracke gestorben. Er kam von der Arbeit, war überanstrengt, sank nur
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