Zaun entlang und an den Masten aufwärts windet. Der Stacheldraht wirkt wie ein sonderbares, hingekritzeltes Muster vor dem riesenhaften Gletscher, der mit seiner weißen Kappe im Nordwesten thront. Man verliert es aus den Augen gegen Sonnenuntergang, der am Horizont den letzten Schimmer Gold über den Himmel streut.
So sah der Sonnenuntergang heut abend aus, nach einem Tag voll Nebel und eisigem Zugwind. Gegen sechs Uhr wich der Nebel, und die Abendsonne hatte gerade noch Gelegenheit, uns ihre letzten Strahlen zuzusenden, bevor sie hinter jenem hohen Berg verschwand, der im Westen steil emporsteigt. Und noch lange leuchtete sie auf den Bergen nordwärts, ostwärts, südwärts und zauberte aus Bergen und dem Fjord die wunderbarsten Farben auf.-
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Sogar Per Krohg , der Maler, war begeistert. An dem Tag, an dem wir hier ankamen, enttäuschte ihn die Landschaft etwas. Es war für ihn wohl etwas zu viel ,, Panorama". Und außerdem war er, wie auch wir anderen, müde nach dem langen, anstrengenden Marsch. Doch selbst ein Panorama, halb in Vogelperspektive, kann, wenn man es nur in allen Einzelheiten kennenlernt, uns wichtig werden und vertraut. Es entfaltet soviel Schönheit, soviel Größe. Man sitzt hier überhaupt mit dem Gefühl, daß unser Land das schönste in der ganzen Welt ist! Das Register seiner Stimmungen und Farbentöne scheint unendlich.
18. August 1942
Ein Wachtposten erschien. Wir löschten das Licht und warfen die Karten weg wie Kinder, die auf frischer Tat ertappt sind. Er wollte uns nur bitten, abzublenden, damit das Licht vom Wege aus nicht sichtbar wäre, falls jemand dort vorbeifährt.
Als ich draußen war, um die Fenster abzudichten, rief der Wachtposten und fragte, ob wir Tabak hätten. Ich sagte ja, doch sei es nicht mehr viel. Da lüftete er seine Regenkappe, entnahm daraus die Tabakstüte, gab mir eine Handvoll davon ab und wünschte gute Nacht. Dabei hatte er ein derart gutes
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