Wie voll Schönheit ist das Leben doch trotz allem. Was kann man anderes tun, als sie zu greifen, wo man ihr begegnet. Die Seele zu öffnen und sie in sich einzusaugen. Sie wirkt wie mildes Frühlingswetter; lockt ein Lächeln aus den herben Zügen, die in Dunkel und in Winterkälte starr geworden. Sie zündet wieder jenes Licht an, das zu verlöschen drohte, weckt Lebensgeister, welche schliefen unter einer Decke finsterer Gedanken, zerreißt den Nebel, der die Sicht ins Weite uns unmöglich machte.
Noch drohten Wolken, lagen Nebelschwaden uns im Wege, noch herrschte große Dunkelheit. Doch sie begann bereits zu glühen. Schwarzblau und Blauviolett gingen über in Rotviolett, und bald flammte nordwärts ein wahres Feuermeer von Rot. Dann brach der erste Sonnenstrahl hindurch. Er traf auf einen hohen Berg im Westen mit einer leuchtenden Schneefläche, die ihn brach und sein Gold verstreute in ein Meer von Sternen. Der Tag brach an.
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Dies war der achte Tag der Seefahrt nach Finnmarken.
16. August 1942
Ich stehe am Fenster und sehe einer traurigen Arbeit zu, die man da draußen auf dem Hofplatz vornimmt. Eine Arbeitsgruppe ist beauftragt, die Zwergbirken auszureißen, die da wachsen.
Das ist charakteristisch. Wohin diese Menschen auch vordringen mögen, überall erkennt man sie an ihren negativen Spuren. Sie haben eine ganz besondere Gabe, Leben, Farben, üppige Fruchtbarkeit in eine Wüste zu verwandeln, in eine graue, traurige Geistlosigkeit.
Die Zwergbirken standen ihnen, wie es schien, im Wege. Sie waren ja lebendig. Sie mußten deshalb sterben! Auch die Weiden müssen sterben. Man reißt sie mit den Wurzeln aus; gleichzeitig werden große Ballen Moos, Heidekraut und Erde mitgerissen, alles kommt auf große Haufen zum Verbrennen.
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Es ist eigenartig, dieses wunderbare Landschaftspanorama gegen Norden durch den Stacheldraht zu sehen, der sich am
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