um die Brücke hinüber in die Zukunft unserer Kultur zu bauen. Die Katastrophe kann nichts anderes als ein Anfang sein.
27. Juli 1942
Auffallend ist, wie die Qualität der Gefangenen sinkt. Die Neuen, die eintreffen, sind nicht von solcher Art wie die vor ein paar Monaten hier Angekommenen. Ich denke da z. B. an die Lehrer eine stolze Schar. Arbeitsam, strahlend, voller Trotz und Stolz, voll eines glühenden Glaubens und unbeugsamen Willens, den Kampf zu führen bis zum Siege, den wirklichen Kampf, es koste was es wolle.
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Oder die Fischer von Televaag. Eine schweigsame, verbissene Menge. Einfache Männer aus einfachen Verhältnissen. Mit schlichten, aber desto stärkeren Gefühlen. Eine Schar von Arbeitsmännern!
Ich denke an die fünfzehn Jungen von der Jaederküste, die mit einem Lächeln in den Tod gegangen sind, und die in jener Nacht des Abzugs mit aufrechtem Haupt dem alten Siqveland ein Lebewohl zuwinkten, während er im Fenster der Krankenabteilung stand und den Sohn zum letzten Male sah.
Leute aus solchem Guẞ kommen jetzt schon nicht mehr viele vor. Ich weiß nicht warum, doch läßt es sich nicht leugnen, es ist viel Pack, das man jetzt hierher schickt. Kleine Saboteure, Leute, die ihren Arbeitsplatz verlassen haben, weil sie andere und bessere Gelegenheiten witterten. Leute, die sich mit den Deutschen rauften, mit denen sie gemeinsame Geschäftsinteressen hatten. Schwarzmarktleute, die diese Zeit benutzten, um sich auf anderer Leute Kosten zu bereichern. Und schließlich kommen immer mehr NS- Mitglieder, die gestohlen oder sonstige Verbrechen begangen haben. Es scheint, als wenn man nachgerade damit anfängt, sich gegenseitig aufzufressen. Das letzte Stadium der übelsten Angeberei hat eingesetzt.
In einem derartigen Morast von Verboten und Drohungen gedeiht alles Ungesunde und Verschimmelte natürlich um so besser. Ist es denn verwunderlich, daß die Sehnsucht, von hier wegzukommen, täglich zunimmt, daß wir nach frischer Luft
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