In Deutschland war die Sache nicht so einfach. Und ich mußte weiterschreiben. Nicht, daß die Geheimhaltung in diesem Lager besonders schwierig war. Dort wurde weniger nachgesucht. Es war auch leicht, eine Gelegenheit zum Schrei- ben zu finden. Schwierig war nur, das Geschriebene mitzu- nehmen, wenn wir das Lager verließen. Denn das bedeutete „Pilzung‘‘- eine Untersuchung auf Leib und Seele, und nichts Verbotenes kam durch. So ziemlich alles war verboten- und wir konnten jeden Tag einem Transport zugeteilt werden.
Dieses Problem beschäftigte mich lange Zeit, aber es hielt mich nicht vom Schreiben ab. Selbst wenn ich das Manuskript in deutschem Boden hätte vergraben müssen, ich wollte und mußte schreiben. Dann machte ich eine Entdeckung. Die meisten„Muselmänner‘ und die anderen, die mit Transporten in Sachsenhausen ankamen oder abgingen, hatten ein Brotbrett in ihrem Gepäck. Das kam so: die jedem Mann für den Trans- port zugeteilte Brotration wurde beim Aufbruch ausgegeben, und man hatte ein Brotbrett oder Brettchen, um das Brot darauf zu schneiden. Das wurde bei der„Filzung‘ nicht be- - anstandet. Kein noch so großer Dummkopf konnte es ver- dächtig finden. Natürlich! Das war die Lösung. Das Tagebuch würde im Brotbrett herauskommen.
Ich ging gleich an die Arbeit. Ich war damals in der Tischlerei, und mit Hilfe meines Freundes Birger Bjerkeng, der unter anderem ein ausgezeichneter Tischler war, stellte ich einige entsprechende Brotbrettchen her. Ein Holzbrett wurde mit der Kreissäge in zwei Blätter geschnitten. Eines davon wurde ausgehöhlt in der Größe des Manuskriptes. Die beiden Blätter wurden abgeschliffen und mit der Genauigkeit eines Meister- Tischlers aufeinander gepaßt. Das Manuskript wurde in die Vertiefung gelegt und gepreßt, dann beide Teile zusammen- geleimt und an den Rändern geglättet. Kein Mensch konnte merken, daß das Brettchen geleimt oder hohl war.
Das erste Brettchen war für mich, das zweite für Frode, das dritte für Scott, das vierte für Erik, das fünfte für Arvid und das sechste für Leif. Ich schnitzte unsereNamen hinein, und wir benutzten sie jeden Tag, bis sie mit Messerspuren und Fett-


