(1773 No. 125 u. 26) ein Auszug mitgeteilt wurde. Der»Al- manach auf die deutschen Musen« auf die Jahre 1772 GS. 103— 7) und 1774(S. 18) war mir nicht zugänglich. Merck wusste in den»Frankfurter gelehrten Anzeigen«(1772 No. 8 8. 34—61) von den freien Versen nichts zu sagen, und ebenso wird derselben in»Schirach's Magazin der deutschen Kritik«(Bd. I, Theil 1, S. 154— 70) keine Erwähnung gethan. Doch wird uns hier eine Erklärung für die Schweigsamkeit der Recensenten gegeben: Vielleicht scheuen die Kritiker auch eine Beurteilung eines sol- chen Genies, wie Klopstock ist. Vielleicht sicht der Pichter selbst lieber eine blosse Amzeige, als eine ausführliche Kritik. Wenigstens könnten folgende Zeilen, S. 78, ein Schrecken der Kritik sein:
Des spott' ich, der's mit Klüglingsblicken
Höret, und kalt von der Glosse triefet.«(vgl. I, 11, 19/20). Auch in den, meist recht kurzen, Recensionen der übrigen Aus— gaben ist, soweit mir dieselben vorlagen, nichts zu finden, was sich auf diese metrische Neuerung bezieht.
§ 6. Sind aber auch die Urteile der Zeitgenossen nur spärlich vertreten, so liessen sich doch die beiden grössten Kri- tiker jener Periode, Lessing und Herder, um so ausführlicher über die freien Verse Klopstock's aus, und zwar lange bevor seine Oden in der Gesammtausgabe erschienen waren. Das erste dieser freirhythmischen Gedichte, das an die Oeffentlichkeit trat, war die Ode»Dem Algegenwärtigen«, die im»Nordischen Auf⸗ seher« vom 14. September 1758(Bd. I St. 44) erschien und am 16. August 1750 im 31. Litteraturbrief von Lessing recen- sirt wurde. Die Empfindungen des Dichters«, heisst es da, scheinen sich von selbst in symmetrische Zeilen geordnet zu haben, die voller Wohlklang sind, ob sie schon kein bestimmtes Silbenmass haben.« Nachdem Lessing dann über den Inhalt ge- sprochen, der ihn zwar nichts Neues gelehrt, aber doch angenehm
unterhalten und hingerissen habe, teilt er einige Stellen der Ode
mit. In diesem stürmischen Feuer ist das ganze Stück geschrie- ben.— Aber was sagen Sie zu der Versart, wenn ich es anders
eine Versart nennen darf? denn eigentlich ist es weiter nichts als eine künstliche Prosa, in alle kleinen Teile ihrer Perioden aufge-
löst, deren jeden man als einen einzelnen Vers eines besonderen.


