Druckschrift 
Zur Geschichte der freien Verse in der deutschen Dichtung : von Klopstock bis Goethe / von Adolf Goldbeck-Loewe
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen

ehestens einige dithyrambische Strophen machen. Sie klingt vor- trefflich. Ach, dass wir sie verloren haben.« ¹)

Klopstock wollte also nichts Fremdes nachahmen; er wollte deutsch sein, in der Sprache sowohl, wie im Metrum. In der Ode»Unsere Sprache«(1767 vgl. I, 199 u. f.) heisst es Vers 1315:

»Den Gedanken, die Empfindung, treffend, und mit Kraft,

Mit Wendungen der Kühnheit, zu sagen! das ist,

Sr d Und als Klopstock 1764 an Ebert die 30 lyrischen Silbenmasse sandte, schrieb er:»Ich stelle mir vor, dass Sie glauben werden, dass ich meine Verse nach den angeführten griechischen gemacht habe, und das ist eben der wichtige Irrtum, aus dem ich Sie herausreissen muss. Sie müssen also wissen, dass alles mein Figentum ist, und dass ich diese kleine, mir nicht gleichgültige Entdeckung gemacht habe, da ich einmal recht müde vom Ar- beiten war, und in dem Sophocles blätterte.«(vgl. Lappenberg a 0O von den freien Versen.

§ 5. Es ist auffallend, wie wenige Recensionen uns über die Oden Klopstock's, und über seine freien Verse im Be- sonderen, aus jener Zeit vorliegen. So wurde nach dem»Ham- burger Schriftstellerlexikon« ²) die erste Gesammtausgabe der Oden nur in sechs Zeitschriften recensirt, am eingehendsten von Herder in der»Allgemeinen deutschen Bibliothek«(Bd. 19 St. 1 8.

1od 23), woraus dann in der Hamburgischen Neuen Zeitung«

¹) Am 8. Mai 1769 schrieb er bezüglich seiner Abhandlung über das Silbenmass an Ebert:»Ich werde zwar, was ich von dem isländischen und angelsächsischen Silhenmasse weiss, nicht unberührt lassen, aher dies ist doch nicht gerug, um sagen zu können, auf diese und diese Art war der Rhythmus der germanischen Völker von dem griechischen verschieden.« Vgl. Lappen-

²) Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart, ausge- arbeitet von H. Schröder, fortgesetzt von F. A. Cropp und C. R. W. Klose. Bd. IV 8S. 36 u. 37. Dem Herausgeber des Artikels über Klopstock ist hier ein Irrtum unterlaufen. Die Kritik des»Wandsbeker Boten« von M. Claudius, auf die ich später zurückkommen werde, bezieht sich nicht auf die von Schu-

bart hesorgte Ausgabe, sondern auf die authentische, bei Bode erschienene.