Aus der nächsten Strophe dieser Ode(vgl.§ 3) könnte man an— nehmen, dass er Pindar nachgeahmt habe. Hiergegen verwahrt er sich jedoch im Jahre 1764 in einem Briefe an Ebert*) aus— drücklich. Dem Pindarus habe ich nicht nachgeschrieben, weil ich mit seinen Strophen in Absicht auf den lyrischen Klang nicht zufrieden bin. Es ist fast seine beständige Zuflucht, Stücke von Hexametern zu nehmen. Wenn er dies nicht thut, so ist er ent— weder jambisch oder zu dithyrambisch. Als Klopstock dann später für die antike Mythologie die altdeutsche in seine Dich- tungen einführte, wurde in der eben erwähnten Ode, die er nun Wingolf« taufte, für den Dithyrambus das Bardenlied eingesetzt; Pindar musste Ossian Platz machen. In der That hoffte Klopstock nunmehr in diesen freien Versen die Sprache der altdeutschen Sänger, die er mit den keltischen Barden indentifzirte, wiederge- funden zu haben. In der Ode»Der Hügel und der Hain«(1767; vgl. I 202 u. ff.) lässt er einen Dichter, unter dem er sich selbst verstand, einem Poeten, der die antike Dichtkunst vertritt, die Worte zurufen(V. 31— 36):
»Schweig'! Ich bilde mir ein Bild,
Jenes feurigen Naturgesangs! Unumschränkter ist in deinem Herrscherin, Als in des Barden Gesange die Kunst!
Oft stammelst du nur die Stimme der Natur;
Er tönct sie laut in's erschütterte Herz!«
Auch Herder schienen diese freien Verse»bei dem ersten Anblick sogleichs sehr ähnlich mit dem Silbenmass der Barden zu sein(vgl. I, 208). Klopstock behielt jedoch die Bezeichnung
dithyrambisch« auch noch späterhin für diese Versart bei. So schrieb er am 8. September 1767 an Denis in Bezug auf die Hermanns Schlacht«:»Der Dialog ist Prosa und die Bardenge- sänge sind Dithyramben.«(vgl. Lappenberg a. a. O. S. 171 u. 211). Und am 22. Juli 1768 an ebendenselben:»In der Sprache
des Sachsen«— es ist vom Heliand die Rede—»werde ich
¹) Briefe von und ay Klopstock. Mit erläuternden Aumerkungen hrsg 8 S
von J. M. Lappenberg. Braunschweig 1867 8. 154.


