mõcht nicht gereichen, auss dem vorigen obern Bauchschnitz ist leichter zuheben. Bei Berechnung der Schiffslasten wirft Kepler die Frage auf, was beim Scheitern eines Schiffs die Fässer halte, daß sie nicht sinken, und gibt die Antwort: nur das Holtz machet sie ein wenig herfür gucken, oder so eins wahn Lleer') liegt, stehet es umb sovil empor. Das nemen die Schiffleute wol in acht, ond bauen der Gefahr 2eitlich für: besser austruncken dann versuncken(S. 604). Endlich kehrt der Schluß des Buchs zu dem Scherz vom Ende des dritten Teils zurück und faßt S. 609 das Verhältnis des Weinvisier- buchs zu seinen Lesern launig zusammen in die Worte: Wie der Gast, also der Becher und der Trunck, ein schlechter Kellner, der sich nicht waibt nach eines jeden Gasts Humor zu accomodirn.
Die unverkennbare Lust am Werk, die aus alledem spricht, hat den Verfasser auch die Mühe überwinden lassen, die der sprachlichen Seite seine- Aufgal v zweifellos anhaftet. Zwar an der abstrakten Art, die einer Fach- sprache wie der mathematischen notwendig zu eigen ist, hat er nichts ändern können. Aber der Findruck des Müh- seligen, der nicht verwunderlich wäre angesichts der unge- heuren Aufgabe, eine vielhundertjährige Fachsprache aus ihrem gelehrten Bereich hinüberzuheben in die Volks- sprache, die dazu kaum in irgend nennenswerter Weise vor- bereitet war, ist Keplers anmutigem Werk fremd. Daß ihm kein voller Erfolg beschieden war, liegt zum Teil gewiß in Ungunst und Teilnahmlosigkeit der Zeit, die ganz anderen Sorgen zugekehrt und von der überlangen Kriegsnot fast erdrückt war. Es liegt zum andern Teil an der über- menschlichen Aufgabe: Kepler konnte nicht vermeiden, was Leibniz einmal als Grundfehler der Sprachgesellschaften und als Ursache ihres Mißerfolgs hinstellt, daß sie den Stein auf einmal heben wollens. Er mußte vielfach neue, willkür- lich geschaffene Ausdrücke einführen, weil die Vorarbeiten
5. Leibniz, Deutsche Schriften hgg. von Guhrauer(Berlin 1838) 1,456.


