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Anfänge einer mathematischen Fachsprache in Keplers Deutsch / von Alfred Götze
Entstehung
Seite
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aller Orten versagten und seinem Kreis fremd blieben. So mußte es geschehen, daß viele seiner Kunstwörter auf den Urheber beschränkt blieben und niemals zu Kunstwörtern einer allgemeinen mathematischen Fachsprache wurden. Der Ruhm aber, Begründer dieser deutschen Fachsprache zu werden, wurde Christian Wolff zuteil, der hundert Jahre später auf den Schultern großer Vorgänger stehend den Vorteil wahrnehmen konnte, den schon vorhandenen Sprachstoff zur Bildung seiner Kunstsprache zu benutzen und so die Gefahren der Dunkelheit und Willkür zu ver- meiden)

Aber auch damit wird die grundlegende Wichtigkeit dieser Vorgänger nur wieder bejaht. Man darf sich die Mühe nicht verdrießen lassen, keinen Ausdruck eines Werks wie des Weinvisierbuchs für selbstverständlich zu nehmen, sondern jedem sprachgeschichtlich nachzugehen. Ein Sätzchen wie: Nimb hinweg den Circkelzaan... s0 hleiben die 2ibey Spitzlein 584 enthält grob gerechnet vier sprachliche Entscheidungen, nämlich die für hinegnehmen Subtrahere', ZirkelzahnKreissektor', bleiben restare' und Spitzlein, anguli'. Geht man in die Feinheiten, so wird man jedesmal den Entschluß, beim Fremdwort zu bleiben oder es ins Deutsche zu heben, in seinen Voraussetzungen und Hemmungen besonders wägen müssen. Keplers sprachlicher Leistung war nur gerecht zu werden auf dem Wege voll- ständiger Induktion, die ohnehin des genialen Begründers dieses Verfahrens auch auf diesem Gebiet allein würdig war. Sie ist hier angewendet etwa in der Weise des Grimm- schen Wörterbuchs und mit den Mitteln, wie ich sie mir bei der Bearbeitung von dessen 14. Band ausgebildet habe. Die Darstellung ist rein auf das Sprachliche gerichtet und sucht in diesem Sinn erschöpfend die vorhandenen Be- ziehungen aufzudecken, die Fäden vorwärts und zurück nach Kräften zu verfolgen und damit einen Baustein zur Untersuchung unserer wissenschaftlichen Sprache über- haupt zu liefern.

Der Wissenschaftlichen Gesellschaft zu Freiburg i. B.

danke ich, daß sie mich durch ihr Interesse für diese Arbeit

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