jektiven auf eckig sind. Die alte Wahrnehmung, daß in einer wissenschaftlichen Fachsprache die begrifflichen Ab- strakta die erste Stelle einnehmen(Piur S. 23) findet eine schlagende Bestätigung darin, daß bei Kepler Adjektiva wie breit, dick, hoch, krumm, veit neben ihren Substantiven Breite, Dicke, Höhe, Krümme, Weite die weitaus geringere Rolle spielen. Mangelhafte Wörterbuchartikel werden durch Beobachtungen aus dem Weinvisierbuch ergänzt, so die Angaben des Deutschen Wörterbuchs über Achteck, Eierlinie, Fdhigkeit, gebaucht, Neibbrett, Reibzirkel, Se- kunde, oder die von H. Schulz(s. u.) zu Figur, der wohl überall fehlende Artilcel Zwölfeck erhält aus Kepler wenig- stens einen ersten Beleg. In anderen Fällen ist an lehr- reichen Lücken in Keplers Wortschatz die Schwierigkeit seines Unternehmens erkennbar. So fehlen dem Weinvisier- buch die Wörter Algebra, Biegung, Brennpunkt, Diagonale, Vividend, dreidimensional, Ebene, Ellipse, gleichschenklig, gleichseitig, Gröbe, Inhalt, Kante, Körper, Kurve, mehren, plastisch, quadratisch, Radius, Rechteck, regelmdäbig, Spitz, Subtrahieren, feilen, Teiler,Teilung, VUmfang, ungerade, /ver)- vieltãltigen, vierkantig. Sonst wieder kann ein Tasten und Schwanken zwischen verschiedenen Möglichkeiten lehrreich werden. Während Kepler Kugel und Würfel deutsch be- nennt, beharrt er für Kreis und Dreieck bei Zirkel und Triangel. Für das gern gebrauchte Diameter hat er mehr als ein Ersatzwort bereit, während ihm der Radius stets halber Diameter heißt. Im Wechsel mit dem seither sieg- reichen Schriftwort Raum versucht Kepler auch die minder glücklichen Teib, Fülle, Gritf. Dabei läßt er sich von der Sprache des Handwerks anregen, wie er es auch bei Ort. tatel ¶s. u. Zirkelschnitz) und vinkelrecht tut. Bilder aus
der Natur liefern ihm die Ausdrücke apfel-, xriechen-, kiir-
bis-, oliven-, quitten-, zitronen-, zwetschgenrund. Hierin Schon enthalten sind Ausdrucksmittel, die ihm die Mundart seiner oberdeutschen Heimat darreicht; sie gibt auch die Grundlage für Keplers Fachwörter ableitig, Durchzug, Frõsche(„Enden der Faßdaugen“ M. Lexer, Kärnt. Wb. 103), Schelfe, Spalt, Taufel(„Faßdauge“, von H. Fischer


