dienste um die deulsc e Sprache würdigt. In Felix Mül- lers Historisch-etymologischen Studien über mathema- tische Terminologie(Schulprogramm Berlin 1887. 4⁰) wird Kepler nicht genannt, und so kann man mit Bezug auf ihn das Wort wiederholen, das 1539 der Nürnberger Rechen- meister Wolfgang Schmidt seiner„Geometria“ vorauf- schickte: Der nutzlichen und freyen kunst Geometria haben sich hishero wenig in vnserer Teutschen sprach angenomen.
Mit alledem rechtfertigt sich der hier unternommene Versuch, dem Weinvisierbuch in einer gedrängten lexika- lischen Darstellung gerecht zu werden, nachdem allzulange der Anteil der Wissenschaft für Keplers Fachsprache in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer Bedeutung gestanden hat. Bedeutend ist das Weinvisierbuch vor allem darum, weil Kepler darin einer ganzen Reihe von Fachausdrücken Bahn gebrochen hat, die uns in den 300 Jahren seither längst selbstverständlich geworden sind: Kegelschnitt für sectio conica geht auf ihn zurück, Bruchrechnung mit Nenner und Zdhler sind ihm geläufig, Raute für rhombus führt er durch, dhnlich wendet er auf Figuren gleicher Gestalt aber ver- schiedener Größe an. Der Ldnge, Breite und Höhe als Di- mensionen der Körper weist er ihren seitdem fest gewor- denen Begriffsbereich zu. Kepler bietet die bisher frühe- sten Belege für den Fachsinn von Beeis, Boden, Erhöhung, fähig, Fdhigheit, Gleichheit, Grundstrich, hyperbolisch, Kegelstock, Kugelhöhe, kugelrund, Mittel, parabolisch, Querschnitt, Querstück, Raum, Sehne, Spirallinie, spitziger Winkel, Ungleichheit, unkenntlich, sich verhalten, Zehner, zylindrisch. Ganze Wortgeschichten lassen sich bei Teil und weniger aus dem Sprachgebrauch des Weinvisierbuchs ableiten. Mit einer wundervollen Kraft der Anschauung, die unserer Sprache abhanden zu kommen droht, setzt er den Bolzen neben Bogen und Sehne, gebraucht er sein geben und kommen im mathematischen Sinn. Wortgeschichtliche Beobachtungen lassen sich an seinem Wortschatz anstellen, wie die, daß rechtinklig Lehnübersetzung des lateinischen rectungularis ist, oder daß die Substantiva auf-eck, Dreieck, Viereck usw. Rückbildungen aus den durelreg älteren Ad-
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