13
Folgerung aus der bisherigen Entwicklung der Natur der Zeugung, klar geworden ſeyn: daß die Einheit, als ſolche, nicht zeugen kann. Iſt aber der Gegenſatz des Geſchlechts das Weſen der Zeugung, ſo folgt, daß nicht nur die ſecundaͤre Zeugung, durch Begattung der Indivi⸗ duen(gleicher Art) von entgegengeſetztem Geſchlecht, ſon⸗ dern auch die urſpruͤngliche(originaͤre) Zeugung gegenſaͤtz⸗ licher Natur ſeyn muͤſſe*).— Wenn nun in der Folge noch gezeigt werden kann, daß das Grundweſen alles Lebens in einem Wechſelſpiel entgegengeſetzter Kraͤfte, das nicht anders als probuctiv ſeyn kann, beſteht, ſo werden wir daraus folgern, daß alles Leben, ſeiner Natur nach, zeugend ſey. Dieſe Wahrheit wird dem Le⸗ ſer ſchon durch das zunaͤchſt Folgende naͤher begruͤndet werden**).—
Fragt man nun nach dem Gegenſatze bei der Kunſt⸗ zeugung, ſo iſt zu erwaͤgen, daß die Kunſidinge, einerſeits, ideal(geiſtige) Erzeugniſſe, anderſeits materielle Bildungen ſind, in welchen das Ideale der Kunſtwerke realiſirt, d. h. aͤußerlich ſinnlich dargeſtellt wird. In ſofern nun ein Kunſt⸗
*) Die erſten Individuen naͤmlich aller Naturreiche und aller Art koͤnnen nicht durch Begattung der Individuen entſtanden ſeynz aber ſie waren gleichwohl Erzeugniſſe, ſie muͤſſen alſo durch Begattung der Elemente oder elementaren Stoffe, d. h. durch elementare Zeu⸗ gung entſtanden ſeyn.
**) Ich verweiſe uͤbrigens auf den von mir verfaßten Artikel: Zeugung, in der ſechsten Auflage des Converſationslexicons. Man wird in dieſem Aufſatze eine möglichſt populäre Entwicklung dieſes fuͤr die Wiſſenſchaft ſo wichtigen Gegenſtandes finden.— Ein ſehr intereſſantes und gediegenes Werk uͤber dieſen Gegenſtand iſt:„Die Zeugung von Dr. Oken.— Bamberg und Wuͤrzburg, bei Joſeph Anton Goͤbhardt 1805.


