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§. 4.
Betrachten wir ferner von dem genannten, univerſalen Gegenſatze die einzelnen, entgegengeſetzten Glieder, jedes fuͤr ſich, und zwar von realer ſowohl als von formaler Seite; ſo treten uns wieder uberall in jedem Gliede neue, demſel⸗ ben eigenthuͤmliche Gegenſätze vor Augen: Der Geiſt, deſſen Weſen die Thaͤtigkeit iſt, kann nicht thaͤtig ſeyn ohne Gegenſatz, und dieſer iſt die Bedingung aller Thä⸗ tigkeit, eine Wahrheit, die erſt in der Folge ganz klar werden kann. Der Geiſt im Allgemeinen, d. h. ſowohl der in der Natur ſich offenbarende Geiſt(Naturgeiſt) als der Menſchengeiſt, ſetzt nicht nur ſeinen Gegenſatz, die Materie, voraus— man koͤnnte auch ſagen: er ruft dieſen Gegenſatz hervor— ſondern er iſt auch zugleich in ſich ſelbſt gegenſaͤtzlich, d. h. er offenbart ſich in zwei entge⸗ gengeſetzten Thaͤtigkeiten, oder iſt nach entgegengeſetzten Richtungen thaͤtig. Von naturwiſſenſchaftlicher Seite braucht dieſe Behauptung, in Beziehung auf den Naturgeiſt oder das Naturleben, nicht erſt nachgewieſen zu werden; denn man weiß z. B., daß im Organiſchen eine aſſimilirende und diſſimilirende, aneignende und ausſcheidende (zerlegende), conſtruirende(bildende) und deſtru⸗ irende(zerſtorende) Thaͤtigkeit zugleich und unablaͤſſig wirkſam ſind; man weiß, daß auch in dem, was man die unorganiſche Natur nennt, uͤberall entgegengeſetzte Thaͤtig⸗ keiten bemerkbar ſind, im Allgemeinen z. B. eine zuſam⸗ menziehende, bindende, zuſammenhaltende in der Cohaͤ⸗ ſion, und eine ausdehnende, entbindende, aufloͤſende in der Waͤrme; und eben ſo iſt allgemein bekannt, daß beim chemiſchen Proceß zu gleicher Zeit ein Feſtwerden des Fluͤſſi⸗


