Druckschrift 
Das Böse im Einklange mit der Weltordnung dargestellt : oder Neuer Versuch über den Ursprung, die Bedeutung, die Gesetze und Verwandtschaften des Uebels : mit kritischen Blicken in die Gebiete der neuern Theologie und Pädagogik in philosophischer Hinsicht / von B. H. Blasche
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen

5

die niedern Stufen mit dem Worte Leben, die hoͤhern durch die Benennung Geiſt zu bezeichnen. Leichter wird man die Behauptung zugeben, daß auch Materie und Stoff keine verſchiedenen Seiten ſind, denn beide haben, im Weſent⸗ lichen, das Seyn oder die Ruhe mit einander gemein, nur iſt's einmal eingefuͤhrt, den Ausdruck Materie mehr fuͤr das Allgemeine, die Benennung Stoff mehr fuͤr das Beſondere zu gebrauchen. Das Weſen alſo der genannten Gegenſaͤtze(oder Glieder des Gegenſatzes) offenbart ſich als Thaͤtigkeit und Seyn, mithin ebenfalls gegenſaͤtzlich.

§. 3.

Betrachten wir nun an jenem univerſalen Gegenſatze= Geiſt und Materie das Formale oder was man Erſchei⸗ nungsform genannt hat, Zeit und Raum naͤmlich, die Kant, bloß ſubjectiv, als Formen der ſinnlichen Wahr⸗ nehmung betrachtet hat; ſo ſtellt ſich jene allgemeinſte Ein⸗ theilung der Schoͤpfung auch von ihrer ſormalen Seite in einem entſprechenden Gegenſatze dar; denn Zeit und Raum verhalten ſich wie Jeder ſieht ganz eben ſo gegen⸗ ſaͤtzich zu einander, wie Geiſt und Materie oder wie Leben und Stoff. Auch gibt ſich davon der Grund einem Jeden leicht zu erkennen, wenn er bedenkt, daß Zeit die Form der Thätigkeit, die Wirkungsweiſe des Geiſtes oder die Art iſt, wie das Leben ſich offenbart: nämlich! als ein Nacheinanderſetzen, ein ſietiges Veraͤndern, eine Aufeinanderfolge von Beſtimmungen oder Zuſtaͤnden; und daß dagegen der Raum die Form des Seyns oder Beſtehens, das Zugleich und Nebeneinander der ſinnlichen Beſtimmungen iſt.