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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
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Pine eben ſo leere Ausflucht iſt es Finſtens, wenn man ſagt, daßs wir ſchon um deswillen frey ſeyn müſsten, weil wir die Beſtimmungsgründe unſerer Handlungen nicht voraus wüſsten. Denn auf das Voraus wiſſen oder Nichtvorauswiſſen der Beſtimmungsgründe kommt es dabey gar nicht an, ſondern nur darauf, ob die Beſtimmungsgründe in meiner Gewalt ſtehen oder nicht, ob ſie meine eigene oder fremde Beſtimmungsgründe ſind. Sind ſie das letztere, ſo fällt alle Freyheit und mit ihr alle Sittlichkeit weg, ich mag ſie voraus wiſſen oder nicht.

Weit konſequenter war es daher, wenn Hommel Seite 187. des oben angef. Buches ſagte; Sobald man Priebe und Vorſtellungen, Urſachen und Gründe annimmt, ſobald ſinket die Freyheit dahin. Umgekehrt, wenn man glaubt, die Seele könne ohne Vorſtellungen und Triebe, ohne Grund und Urſache etwas wollen, ſo iſt man mit⸗ ten in der Ppikuriſchen Welt, ſo glaubt man, daſs etwas von ſich ſelbſt entſtehen könne; und wird eine Gaukelpuppe des blinden Ungefährs. Ich will aber lieber mit dem Zeno, der Vernunft, als mit dem Fpikur, der Unvernunft, Sklave ſeyn. Nicht minder treffend drückt er ſich über die ge- ſuchte Vereinigung dieſer einander widerſpre-

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