N5 — . O
So ſtanden die Sachen als die Kantiſche Kri- tik der reinen Vernunft und bald hernach die Grundlegung zur Metaphyſik der Sitten und die Kritik der praktiſchen Vernunft erſchienen. Per unſterbliche Verfaſſer dieſer Werke bahnte einen ganz neuen von keiner der biſsherigen Partheyen betretenen Weg, an deſſen Ziel der menſchliche Geiſt ſich auf einer Höhe erblickte, die er noch nie erreicht hatte. Er zeigte durch die einleuch- tendſten Gründe, dal aller Streit zwiſchen Fata- liſten und Skeptikern, Determiniſten und Inde- terminiſten zuletzt bloſs von der Finſeitigkeit des Geſichtspunkts herrühre, aus welchem jede Parthey den ihnen allen gemeinſchaftlichen Ge- genſtand angeſehen habe. Er zeigte unwider⸗ (precklich, daſs ſie alle durch ein gemeinſchaft- liches Miſsverſtändniſs biſsher gehindert wurden, auf den gemeinſcbaftlichen Geſichtspunkt zuſam- menzutreffen, aus welchem ſich alle beſondere
und einſeitigen vereinigen lieſsen.
Mit der Entdeckung urd Hinwegräumung dieſes Miſsverſtändniſſes war nun freylich der Streit zwiſchen den bisherigen Partheyen auf eine tür jeden Unbefangenen, der ſich die Mühe nicht verdriefsen lieſs, dem Verfaſſer auf ſeinem nicht
wenig dornichten Pfade zu folgen, völlig be- triedi-


