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heit ſeines Willens als einem umeingeſchränkten moraliſchen Knnen eben ſo feſt überzeugt ſey, als von der moraliſchen Nothwendigkeit ſeiner Pflicht, dem umeingeſchrdnkten Follen? die Ant- wort wird gewiſs, wenn er anders den Sinn der Frage gehörig verſtanden hat, verneinend ausfal- len. Das Follen wird er ohne das mindeſte Be- denken einräumen, aber das Können mit einem: „MWollen habe ich wohl, aber am Vollbringen fehlt es mi y) erwiedern. Er wird, wenn er ein edler Mann iſt, in dem Bewuſstſeyn ſeines eingeſchränk- ten moraliſchen Könnens in Klagen ausbrechen über die Schwäche und das Unvermögen der menſchlichen Matur, aber wenn ſein Bewuſstſeyn rein, wenn es vollſtändig iſt, ſich ficher losſpre- chen. Ja wie kann auch der, welcher zum An- ſchauen des Göttlichen in fich gelangte; welcher in Augenblicken der gröſseren freyeren Wirkſam- keit ſeines Geiſtes fich emporgehoben fühlte, zu dem reinen Urbild der Sittlichkeit, zu dem ho- hen Ideal alles Guten, welcher tief die Wahr- heit der erhabenen Worte empfand:„Es iſt über- „all nichts in der Welt, ja überhaupt auch auſfer „derſelben zu denken möglich, was ohne Ein- „ſchränkung könnte für gut gehalten werden, als
„allein
*) Aliud cupido, mens aliud ſuadet; Video meliora proboque, deteriora ſequor.


