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Skeptische Betrachtungen über die Freyheit des Willens mit Hinsicht auf die neuesten Theorien über dieselbe / von Leonhard Creuzer ; [Verfasser des Vorworts: Carl Christian Erhard Schmid]
Entstehung
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ten beſſer ſind, als die, welche auf deutlich ent-

wickelte Raiſonnements fich gründen.

Schon in dieſem dunkelherrſchenden Be- wußtleyn, dieſem unläugbaren Faktum der menſch- lichen Matur, erkennt ſich der Menſch als Glied einer überſinmichen Welt, als Bürger eines Rei- ches vernünftiger Geiſter, die erhaben über jeden influſs fremder Kräfte und frey von allem äuſern Zwange ſich ſelhſt Geſetze geben/ und nur ihren eigenen Geſetzen gehorchen.*) Autonomie, Un-

A 4 abhän-

*) Finen herrlichen Kommentar über dieſe Worte kand derVerf. in einem der neueſtenstücke der Thalia in einem mit wahrer Begeiſterung geſchriebenenGe- dicht: die Seele. Pragment eines gröſseren Gedichts von Conz. Die Stelle iſt zu ſchön, als daßs ich ſie nicht ganz meinen Leſern mittheilen[ollte:

Erhabnes Loos! Nicht Mittel nur allein Bedingt mit deiner Kraft, mit deinem Seyn und Leben An die Deſpotenhand der Macht dahin gegeben, Nein felber Zweck des groſsen All's zu ſeyn! Ich bin: Hier flehe ſtill, bewundernder Gedanke! Zwar zugemeſſen ward mir nur ein Tropfe Zeit, Eng iſt ſie meines Seyns, wie weines Wiſſens Schranke, Doch floſs er aus und flieſst in eine Ewigkeit, Und wuchern kann für ſie die thatenreiche Zeit. Dieſs Weſen auſer mir, in tauſendfacher Art Verſtandlos hier, dort mit Verſtand gepaart, Und daſs mit leiſern hier und dort mit lautern Schlägen