die in den meiſten Häuſern untergebracht ſind. Unter der Leitung eines Waſchmeiſters können 20 Frauen gleichzeitig ihre Wäſche reinigen. Jeder Frau wird eine Koje zugemeeſn in welcher ſich ein Steintrog, ein Kochkeſſel und eine elektriſche Waſchmaſchine befinden. Sinnreiche Trockenanlagen, elektriſche Rollen und Bügel⸗ maſchinen helfen dazu, eine Portion Wäſche, deren Reinigung früher zwei Tage ſchwerer Arbeit erforderte, in wenigen Stunden mühelos zu bewältigen. Reine Wäſche und blütenweiße Vorhänge ſind daher kein Luxus mehr.
Den Kleinſten ſind die wunderſchönen Monteſſor⸗Kinder⸗ gärten gewidmet, von welchen je einer für eine große Wohnbau⸗ anlage beſtimmt iſt. Die Kinder der Parteien dieſer Häuſer kennen das gefährliche Spiel auf der Straße nicht mehr. Vorſchulpflichtige Kinder können von ihren Müttern, falls dieſe einen Beruf haben, welcher ſie vom Hauſe wegführt oder ſie ſonſt von der Erziehung Sehüält. morgens im Kindergarten abgegeben werden, wo ſie in Geſellſchaft unter der Obhut geſchulter Pflegerinnen den Tag ver⸗ hringen. Der Name Monteſſori beſagt ja, daß ſie in ein Kinder⸗ land geführt werden, in welchem alles bereit ſteht, ihnen zu dienen und ſie ſpielend zu ſelbſtändigen jungen Menſchen zu erziehen.
Für ſchulpflichtige Kinder ſtehen Horte zur Verfügung, in welchen ſie ihre Schulaufgaben machen und bei Kälte oder Regen ſpielen können. Bei ſchönem Wetter aber tummeln ſie ſich in den tieſigen, mit Bäumen, Raſen und Blumen bepflanzten Höfen.
Manche Wohnbauten beſitzen ſogar eine eigene Leihbibliothek, pelche mit ausgezeichnetem Leſeſtoff verſehen, den Lernbegierigen wie den Liebhabern von Unterhaltungslektüre zur Verfügung ſteht. Eigene Vortragsſäle vereinen die Inwohner einer oder mehrerer benachbarter Anlagen zu gemeinſamem Vorwärtsſtreben und zu gemeinſamem eigudigen. Es iſt nur ſelbſtverſtändlich, daß auch die Männer, welche in den beſchriebenen Häuſern leben, die Schönheiten und Annehmlichkeiten ihres Heims ſchätzen lernen und die ihnen zur Verfügung ſtehenden Bildungs⸗ und Ver⸗ znügungsſtätten den Wirkehän ern vorziehen. König Alkohol hat
einen Platz in den Gemeindehäuſern von Wien.
Es iſt von eignem Reiz, gegen Abend die großen Gartenhöfe zu durchwandern. Die Männer ſind von der Arbeit zurück und ielen mit den Kindern oder ſitzen auf den bequemen Bänken, Plaudernd oder leſend. Ein regelrechter Korſo entwickelt ſich in den reiten Alleen, die die Gartenhöfe umgeben, oft auch unter den Laubengängen, die viele dieſer Anlagen beſitzen. Es iſt ein Bild wie in einer traulichen Kleinſtadt und ſo ganz verſchieden von dem Lublick den die Arbeiterviertel ſonſt des Abends bieten; auf den
traßen ſpielende Kinder, ſtets bedroht von den raſenden Autos, auf den Trottoirs Menſchen, die ſich ſcheinbar zweck⸗ und ziellos bin und her ſchieben. Für die Bewohner der Gemeindehäuſer hat ie Straße aufgehört, Spielplatz und Erholungsort zu ſein. AUnd das iſt gut ſo: denn damit verſchwinden die mannigfachen Feſahren der Straße und an ihre Stelle tritt die ſtille Schönheit dieſer Satenhäft, der Geiſt des Friedens und der Gemeinſamkeit, der die Bewohner des Hauſes,„ihres Hauſes“, vereint.
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Die Revolution ber Fugend Ein prächtiges Buch, wofür der Verfaſſer abgeſetzt iſt
Gerade als vor mehreren Wochen alle Welt entſetzt hinſchaute auf den unſagbaren Greuel den in den Vereinigten Staaten anti⸗ ſozialiſtiſcher Fanatismus an Sacco und Vanzetti verübte—
erade damals ging durch die Zeitungen die Notiz, der Richter des Jugend⸗ und Familiengerichts in Denver, Colorado, Ben B. Lind⸗ ſey ſei ſeines Amtes entſetzt worden. Allerdings, dieſer Mann paßte verzweifelt ſchlecht in das Bild amerikaniſchen Gerichts⸗ weſens. Ein Mann, ſeit vielen Jahren weithin bekannt als Bahn⸗ brecher einer neuen, wirklich helfenden Geſtaltung des Jugend⸗ gerichts. Ein Mann mit warmem Herzen und weitblickendem Auge und durchgreifender Tatkraft und ſo ohne allen Fanatismus. Was iſt eigentlich Fanatismus? Da ſieht der Menſch nur, aber auch nur ſeine religiöſen, ſittlichen, patriotiſchen, ſozialiſtiſchen oder kapitaliſtiſchen„Grundſätze“ und iſt verſtändnislos gegen die unendlich weiteren leuchtenden Bezirke der Menſchlichkeit; die trampelt er in ehrlicher Begeiſterung nieder. Dieſer engſtirnige Fanatismus fehlt dem Lindſey ganz. Wie ſollien die amerikani⸗ ſchen Bürger ſolchen Richter ertragen!
Aber, halt! Wir wollen nicht ſelbſtgerecht auf ein anderes Volk hinſchauen. Denn es iſt doch fraglich, ob unſere deutſchen Richter und die Mehrzahl unſeres deutſchen Volkes ſolchen Wacke⸗ ren ertragen würde
So iſess denn wohl wertvoll, wenn wir uns dieſen Mann und ſein Werk näherrücken. Die Deutſche Verlags⸗Anſtalt Stutt⸗ gart(dort iſt auch Friedr. Wolfs„Kolonne Hund“ erſchienen) bringt in ſehr guter Überſetzung Lindſeys neueſtes Buch„Die
Revolution der modernen Jugend“, das ich Partei⸗Büchereien
dringend empfehlen möchte.. Lindſey berichtet eine Fülle von„Fällen“, die vor ihn ge⸗
bracht wurden, zeigt dann, wie er die behandelte, und zieht endtich
mit kühnſter Unbefangenheit daraus ſehus Forderungen. Zuerſt die„Fälle“. Sie bewegen ſich ohne Ausnahme auf dem
Gebiet, von dem man in anerzogener falſcher Scham ſo ungern
ſpricht, und in dem wir doch alle leben, ſolange uns Leib und Seele noch geſund ſind, es iſt das geſchlechtliche Gebiet.
Da erleben wir nun Blicke hinter die Kuliſſe amerikaniſchen Lebens, wie ſie eben nur ein Em heim ſcher und wieder nur ein Jugendrichter geben kann; der fremde Amerikareiſende kann natürlich nicht ins Familienleben hineinſehen; nur die Außen⸗ ſeite präſentiert ſich ihm, da herrſcht der Puritanismus, kühle Sittenſtrenge und Alkoholverbot. Denver wird an Größe und Reichtum Frankfurt nahe kommen, hat viele Banken, Fabriken, höhere Schulen und ſehr viele Kirchen. Wie es hier bei den Alten zugeht oder bei der Jugend der„unteren“ Klaſſen(die bei uns vornehmlich den Jugendrichter beſchäftigt„‚ſagt Lindſey nicht, er ſpricht nur von der Jugend der„oberen Klaſſen“, aus den Fami⸗ lien des Bankiers, der Paſtöre, der Bank⸗ und Schuldirektoren uſw. Und hier herrſcht bei den etwa Zwanzigjährigen(oft viel jüngeren) hemmungsloſe geſchlechtliche Ausſchweifung, Alkoholis⸗ mus, Abtreibung, in den beſſeren Fällen Probeehe mit Verhinde⸗ rung der Empfängnis, in den beſten heimliche Ehe mit heimlicher
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Bäcker auf der Walze
Ich lag im Walde, die ganze Nacht: Die Herbſtluft hat mich ſteif gemacht.
36 komme zur Stadt. Ein Bäcker ſpricht an. b ich hier Arbeit kriegen kann?
Zehn Meiſter ſagten: Nein und nein.— Beim Betteln ſteckt der Putz mich ein.
Fünf Tage Haft, bei Waſſer und Brot. Einem Mäuschen lindere ich die Not.
Der ſechſte Tag: Nun bin ich frei! Es lebe die walzende Bäckerei. 4 m.
Merligen das Schweizer Schilda
Von Bobert Mösinger(Frankfurt a M)
Am ſchönen Thunerſee, mitten im Berner Oberland, dem Kleinod der Schweiz, liegt das Städtchen Merligen, deſſen brave und biedere Bewohner ſeit urewigen Zeiten im Rufe ſtehen, Dinge A tun, die man den wackeren deutſchen Schildbürgern nachſagt.
b mit Recht oder Unrecht bleibe dahingeſtellt, jedenfalls nimmt es auch heute noch jeder Schweizer krumm, wenn man zu ihm ſagt:„Biſcht in Merlige gſi?“
„Einige dieſer Merliger Schildbürgerſtückchen ſind nun ſo köſt⸗ lich in der Erfindung, ſo bieder und treu in ihrem Humor, daß es ſich ſchon verlohnt, ſie der Vergangenheit zu entreißen.
Alſo da ſind eines Tages die Merliger hinaus auf den Thunerſee gefahren, um ihren Nachbarn, den Spiezern, einen Be⸗ uch abzuſtatten. Zwölf wackere Männer ſaßen im Boot und legten
in die Riemen.„Eins, zwei, drei, ha feſt Männer“ komman⸗
dierte ſchon ſtundenlang der Steuermann und die Merliger ruderten, daß ihnen der Schweiß von den ſonnengebräunten Wangen lief. Doch Shie kam nicht näher, wohl ſah man ſeinen eckigen Kirchturm, doch die Entfernung blieb immer gleich. Und als ſie wieder eine Stunde gerudert waren, kam endlich einer auf den Gedanken, einmal nachzuſehen, ob denn das Boot überhaupt abgebunden ſei. Und ſiehe da, es lag ſchön an ſeiner langen Kette und Merligens Frauen kamen freudig ans Ufer, weil ſie glaubten Köre, Mänder ſeien ſchon von der weiten Spiezer Reiſe zurück⸗ gekehrt.
Ein andermal hatte ein Merliger Malermeiſter den Auftrag, bei einem brapen Bäuerlein den Stall zu weißen. Schon früh am Tage machte ſich der Meiſter mit zwei Geſellen und dem Lehr⸗ zungen auf, denn auch in Merligen hat nach alter Väter Weisheit Morgenſtund Gold im Mund. Alſo gingen ſie zum Bauern, der ſie gleich in den Stall führte. Dort Kuh an Kuh und Ochslein bei Ochs.„Hier iſt gut ſchaffen“, ſagte der Meiſter vom Pinſel zum Bauern,„hier brauchts kein Gerüſt“„Wir legen unſere Bretter aufs Rindvieh und ſtellen die Leitern darauf“! Und ſo geſchah es! Eine Zeitlang ging die Sache ganz gut, Kuh und Ochſe hielten ſtill und der Meiſter pinſelte mit den Geſellen um die Wette. Aber ſelbſt das geduldigſte Rindvieh läßt ſich auf die Dauer nicht alles gefallen. In ſtummer Vereinbarung ſprangen Ochslein und Kuh nach links und nach rechts und wenn nicht, ob dem Ge⸗ polter, der Bauer gekommen wäre, ſo hätten Meiſter und Geſellen elend ihr Leben in der Kalkbrühe laſſen müſſen. Seit der Zeit aber baut man auch in Merligen wieder Gerüſte. 3
Zum Dritten ging eines Nachts der Merliger Bürgermeiſter mit ſeinen Getreuen vom abendlichen Schöppchen nach Hauſe. Wohl war man etwas angeſäuſelt, doch daß da in der Tiefe des Stadtbrunnens ein wunderſchöner runder Käſe lag, das konnte man denn doch noch erkennen.„Den müſſen wir haben“ ſprach er⸗ munternd der Bürgermeiſter und ſchwang ſich übern Brunnen⸗ rand.„Kannſt du ihn kriegen, Bürgermeiſter?“ polterten aufgeregt die andern.„Nein, nein, noch nicht“, kam dumpf die Antwort aus dem Brunnen,„ihr müßt helfen“! Und ſo ſtiegen denn die Mer⸗ liger Männer einer nach dem andern in den Brunnen und hielt
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