ſturmvögel, gewaltige Tiere mit einer
zahlen über die Gefräßigkeit der großen Meeresbewohner mit⸗ teilen. Im Magen eines Haifiſches, der 612 Pfund ſchwer war, fanden ſich 170 Pfund Fiſche, unter ihnen ein Stechrochen, der allein 50 Pfund wog, und vermutlich von dem Haifiſch auf einmal verſchlungen worden war; der Magen eines 1912 Pfund ſchweren Schaufelhaies enthielt ſogar 300 Pfund Nahrung.
Magenunterſuchungen an Tieren bringen dem Naturforſcher überhaupt oft recht wiſſenswerte Aufſchlüſſe über die Lebensweiſe der verſchiedenen Tierarten und verraten manches vom Speiſe⸗ zettel ſchwer zu beobachtender Tiere. Im Verlauf ſeiner Jagd⸗ reiſen in den Gebieten des oberen Nils unterſuchte z. B. Ad. David einmal den Mageninhalt eines Krokodils und förderte dabei zwei Hufklauen einer großen Pferdeantilope, eine 38 Zentimeter lange, untere Kinnlade eines anderen Krokodils, Rippen von Gazellen und Antilopen und eine große Zahl von Fiſchknochen zutage, auch fand er Kieſel⸗ und Quarzſteine, die das Tier wohl zu ſich ge⸗ nommen hatte, um die Nahrung im Magen zermahlen zu können. Die Krokodilmahlzeit, die man ſich nach dieſen ſchönen Reſten zu⸗ ſammenſtellen könnte, weiſt jedenfalls auf einen geſegneten Appetit hin Die Magenunterſuchung einer vor einigen Jahren in Urfahr
ei Lin an der Donau geſchlachteten Kuh brachte ebenfalls ſelt⸗ ame Ergebniſſe; dieſer vielgeprüfte Magen enthielt: einen öffel, drei Meſſer mit Griffen, drei 20 Zentimeter lange Eiſen⸗ nägel, ſechs Schrauben, eine Patrone, eine Glocke und einen Hausſchlüſſel.
Sehr wichtig ſind Magenunterſuchungen dann, wenn man den Schaden oder Nutzen ermitteln will, den Tiere durch ihre Ge⸗ fräßigkeit anrichteten. Auf dieſe Weiſe hat man z. B. erkannt, daß ſich der Fuchs in Maikäferjahren als tüchtiger Helfer bei der Käferbekämpfung nützlich macht, mit Vorliebe die eierſchweren Weibchen ſchädlicher Schmetterlinge— der Spanner und der Spinne— verzehrt und auch da, wo Nonne und Kiefernſpinner in größeren Maſſen auftreten, an der Vertilgung dieſer Schädlinge mithilft. Der große Schaden, den die Seemöven und die Kor⸗ morane der Pſcherei zufügen, iſt erſt durch die Magenunterſuchung dieſer Tiere feſtgeſtellt worden. Denn ohne die Unterſuchung hätte man es wohl kaum für möglich gehalten, daß eine Seemöve täg⸗ lch 200 junge Heringe oder andere kleine Fiſche frißt, was einen 9 rlichen Abgang von 73 000 Jungfiſchen bedeutet, und daß der
agen eines Kormorans einen zwei Fuß langen Meeraal, einen dreipfündigen Salm und über zwei Pfund andere Fiſche enthielt. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße ſind dieſe Vögel ſicherlich gans Lſtaumrich⸗ Vielfreſſer, und der Elefant, der im Tage etwa 00 Pfund Nahrung zu ſich nimmt, lebt recht beſcheiden im Ver⸗ gleich zu dieſen Nimmerſatten im Vogelreich.
Manche Tiere ſcheinen einen unſtillbaren Hunger zu beſihen; he freſſen zuweilen ſo leidenſchaftlich gern, daß ſie jeden Maß ver⸗ lieren. Der Südpolforſcher Profeſſor Bryhalſti beobachtete Rieſen⸗ ber zwei Meter weiten Flügelſpannung, die ſich derart vollgefreſſen hatten, daß ſie ſich im wahrſten Sinne des Wortes nicht mehr rühren konnten. Sie waren auch nicht imſtande, zu iehen. als ſich ihnen die Hunde der Expedition näherten, um ſie zu fangen. Auch der Marder kennt keine Grenzen, wenn er das friſche Blut ſeiner Opfer trinkt. Er benimmt ſich dabei oft ſo, daß man von einem wirklichen„Blut⸗ rauſch“ ſprechen kann, da er in dieſem Rauſchzuſtand gewöhnlich gleich am Ort ſeiner Mordtätigkeit, z. B. im Hühnerſtall ſelbſt, zu Boden ſinkt und einſchläft, ſo daß er dann dem Menſchen wehrlos
man ſie ſchließli nicht zu verlieren. Daß Vögel im Käfig oft freiwillig hungern, iſt
Tiere, die während ihres ganzen Lebens überhaupt nur einmal jatt werden. Dieſe Beſcheidenſten aller Lebeweſen finden ſich im Reich der Inſekten, unter denen es blutſaugende Arten gibt, die nur dann ihren Hunger ſtillen können, wenn ſie gerade auf die einzige Tierart treffen, deren Blut ſie zur Nahrung brauchen. Da kommt es denn oft genug vor, daß ſie dieſem einzigen Tier im Laufe ihres kurzen Daſeins nur einmal begegnen. Manche Schmetterlinge aber nehmen, ſo lange ſie leben, überhaupt keine Nahrung zu ſih Einige Tierarten überſtehen Hungerzeiten ohne Schaden; die ſonſt ſo gefräßigen See⸗Elefanten leben in der Paarungsperiode und in der Zeit, in der die Jungen geworfen werden, ohne Nahrung, und die Pinguine finden auf ihren Wande⸗ rungen über das Eis f wochenlang keine Löcher, durch die ſie ins Waſſer zu ihrer Nahrung gelangen können. Daneben gibt es aber auch freiwillig faſtende Tiere. Was manche Lebeweſen in dieſer Hinſicht leiſten können, zeigen uns am beſten die Beobach⸗ tungen, die man an gefangenen Tieren immer wieder macht. Merk⸗ würdig iſt, daß ſich in der Gefangenſchaft oft gerade ſolche Tiere als Hungerkünſtler erweiſen, die freilebend ausgeſprochene Viel⸗ freſſer ſind. So kann der wegen ſeiner Gefräßigkeit geradezu ge⸗ fürchtete Hecht, wie erſt kürzlich erfolgte Unterſuchungen ergaben, in der Gefangenſchaft einige Monate lang ohne Nahrung ver⸗ bringen, und die acht Meter lange Rieſenſchlange, die gegenwärtig im Zoologiſchen Garten in RNom gehalten wird, hatte ebenfalls freiwillig einen 4e lange dauernden Hungerſtreik angetreten, daß
künſtlich ernähren mußte, um das koſtbare Tier
bekannt. Zu ſehr bedeutſamen Ergebniſſen haben ſeinerzeit die „Hungerproben“ geführt, die man im Verlauf freiwilliger oder unfreiwilliger Faſtenperioden an Tieren vornahm. Beſonders wichtig war die beobachtete Gewichtsabnahme in der nahrungs⸗ loſen Zeit. Dieſe Verminderung des Geſamtgewichtes ging bei Süßwaſſerpolypen nur bis zu einem Zweihundertſtel und bei Strudelwürmern ſogar nur bis zu einem Dreihundertſtel des Normalgewichtes, während junge Aale nach einer 43 Tage dauern⸗ den Faſtenzeit etwas über die Hälfte ihres Körpergewichtes ein⸗ gebüßt hatten. Bei dieſen Hungerproben hat ſich herausgeſtellt, daß ein 10 Gramm ſchweres Goldhähnchen in 3 ½ Tagen, eine 18 Gramm ſchwere Rauchſchwalbe in vier Tagen und ein Kondor in 42 Tagen verhungern müſſen.
Der Schlaf der Walſiſche
Eine ſeit alten Zeiten umſtrittene Frage iſt die nach der Art und Weiſe, wie die Walfiſche ſchlafen. Gelegentlich treffen die Walfiſchfänger einzelne Wale ſchlafend auf der Oberfläche bei ruhigem Wetter. Es iſt aber trotzdem die Meinung ſehr plauſibel, daß ſie in wenig tiefen Gewäſſern auf den Grund gehen und dort einige Stunden lang ſchlafend verbleiben. Die Grönländiſchen Walfänger behaupten, daß die Wale ſich regelmäßig unter das Eis zurückziehen, um dort zu ſchlafen, was beſagen würde, daß dieſes Säugetier während ſeines Schlafes keinen Atem nötig hat. Man weiß nun, daß harpunierte Walfiſche eine Stunde unter Waſſer bleiben können unter verzweifelten Anſtrengungen los zu kommen. Dementſprechend liegt es nahe anzunehmen, daß ſie auch zum Schlaf ſtundenlang unter Waſſer verweilen können und daß ſie nur in einzelnen Zwiſchenräumen auftauchen um zu atmen, worauf ſie wieder einſchlafen. Immerhin ſetzt dieſe Annahme eine beſondere Phyſiologie der Wale voraus, die nicht ſo ſchnell aufgeklärt werden wird, denn die Walfiſche kann man nicht im
Laboratorium ſtudieren.—
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Nun malt Ludovika ihre beſten Portraits. Dazu gehört das Bild von Schillers Mutter, nach deſſen Empfang Schiller ihr ſchrieb:„Erſt vor wenigen Tagen blieb Lavater, der auf einer Durchreiſe bei mir(in Jena) eintraf, vor dieſem Portrait ſtehen und huldigte der geſchickten Hand, die es verfertigte.“ Im folgen⸗ den Jahre malte Ludovika Schiller und ſeine Frau. Schiller dankte ihr mit warmen Worten und bedauerte, daß er ihr nur eine Kleinigkeit als Erſtattung für die Farbe und die Leinwand an⸗ bieten könne.„Denn die Kunſt kann und will ich Ihnen nicht be⸗ zahlen.“ Ferner malte Ludovika Schillers jüngſte Lieblings⸗ ſchweſter Nanette, die eine große Vortragskünſtlerin war und gegen den Willen der Eltern zur Bühne gehen wollte. Sie ſtarb aber ſchon mit 18 Jahren auf der Solitude. Ludovika meint, daß Sehilies das Lied:„Weit in nebelgrauer Ferne“ auf ſie gedichtet
abe
Zweifellos gehört Ludovika Simanowicz zu den bedeutendſten Frauen, die um die Wende des vorigen Jahrhunderts lebten und verdient, daß ihr Name als Weib und als Künſtlerin nicht vergeſſen wird. Anna Blos.
Bie Bedeutung der Volksmedizin
Die„Biologiſche Heilkunſt“(Verlag von Dr. Madaus in Radeburg bei Dresden) berichtet: Bei der Tagung der anthropo⸗ logiſchen Geſellſchaft in Bonn am 25. Februar hielt den Haupt⸗
vortrag Herr Prof. Dr. Koch(Frankfurt a. M.) über das Thema:
Die Bedeutung der Medizin der Primitiven“. Er betonte, daß der Kulturmenſch die Primitiven jetzt anders beurteilt, als es vor 20 Jahren geſchah. Er erkennt jetzt deren Leiſtungen weit
mehr an und bringt ihnen mehr Verſtändnis entgegen. Die Volks⸗
Medizin und verſucht das ſogenannte Kurpfuſchertum zu be⸗
zelnen Mitteln die Chinarinde, die wir den ſüdamerikaniſchen Indianern verdanken, Digitalis, welche zuerſt engliſche Bauern
operationen auszuführen. Bei den Papuas ſchnitten die Weiber Nuß
Dr. Koch, wonach man ſicherlich bei genauer Unterſuchung des Medizinſchatzes der Naturvölker wichtige ſehr brauchbare neue Mittel ſinden würde; ſo hat er ſelbſt ein Mittel gegen Leber⸗ krankheiten, das in Südchina und auf den Malaiiſchen Inſeln viel verwendet wird, auch in Deutſchland mit vorzüglichem Erfolge gebraucht. Dr. G. F.


