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Volk-Kunst-Wissen / für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint
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Tengu Fabawus Fragen

Von Elsa Maria Bud

Tengu Jabawu gehört dem Kaffernſtamm an. Er iſt nicht das, was man hierorts unter einem Kaffern verſteht: entrüſtet würde er dieſe Klaſſifizierung ſeiner Raſſe unter die Leute, die ſich nicht zu benehmen wiſſen, zurückweiſen. Er iſt ein ſehr vor⸗ nehmer junger Kaffer, der ſchreiben, rechnen, denken kann und den ſein Leyrer, ein engliſcher Baptiſtenmiſſionar, wegen ſeiner Intelligenz nach der nächſten größeren Stadt Südafrikas mit⸗ nimmt. Tengu iſt natürlich auch Baptiſt, und ſein Lehrer ruft ihn Daniel nach ſeinem Taufnamen. Tengu hat bisher nur die kleine rohe Kapelle mit dem Kreuz auf dem Giebel als Gotteshaus ge⸗ ſehen, er iſt neugierig auf die herrliche Kirche der Stadt, von der der Miſſionar oft erzählt hat. Schon von den letzten Hügeln her ſieht er über der breit ins Tal geſchmiegten weißen Stadt die goldenen Kreuze funkeln, und ſein Kaffernſinn malt ſich unfaßliche weiße Menſchheit, die in Glaubensfrieden unter dieſem Zeichen der ewigen Erlöſeridee dient. Ihr Weg führt ſie bald an einer Kirche vorbei. Die Fenſter funkeln in farbigem Schmelz. Das Kreuz ſteht gleißend auf der Weltkugel.

fenir wollen hineingehen, Vater, drängt Tengu ärmel⸗ upfend. 3Das iſt nicht deine Kirche, Daniel! Das iſt eine deutſche Kirche, eine deutſche Lutheranerkirche. Du darfſt ſie nicht be⸗ treten! Sind die Deutſchen ein ſchlechtes Volk? er Miſſionar will dieſer Unumwundenheit ausweichen. Er erwidert:Sie ſind unſere Feinde geweſen. Sie ſind in ihrer Kultur zurück.

Warum, Vater?

Der Geiſtliche kennt dieſe Fragemühle, die ſolange klappert, bis man ſie energiſch abſtellt.Sie ſind zurück; wenn ich dir das ſage, Daniel, iſt es ſo!

Warum, Vater?

Warum, warum? Weißt du etwas von Parlament, von Volksvertretung? Wie ſoll i iſt das Haus, wo man die Fragen der Seele beantwortet; das Parlament iſt das Haus, worin man die Fragen der Nation und der Welt zu löſen ſucht. Wenn du das Alter haſt, wirſt du auch deinen Vertreter wählen dürfen, weil du ja leſen und ſchreiben kannſt. Was wirſt du dann wählen? Sicher doch einen Mann deines Volkes oder einen Weißen, dem du Vertrauen ſchenkſt, daß er richtig handeln wird in deinem Sinne. Wir Engländer haben drei Gruppen oder Parteien, die Deutſchen haben nun aber zwanzig Parteien, die ſich untereinander befehden und ſich Ver⸗

nunft und Ehre abſprechen. Das beweiſt, wie rückſchrittlich ſie

uns gegenüber ſind. Indeſſen ſind ſie an einem zweiten Gotteshaus vorbeige⸗ kommen und Tengu zupft wieder des Redenden AÄrmel.

Das iſt die Presbyterianer⸗Kirche, Daniel, mit denen haben wir nichts gemeinſam.

Wird dort nicht zu Gott gebetet, Vater?

Sie haben eine andere Anſicht vom rechten Gottesdienſt. Tcengu ſchwieg und trabt an ſeines Führers Seite. Bis wieder eine Kirche auf freiem Platze die prächtige Kuppel in den blau⸗ glühenden Himmel hebt.

Ah, ruft Tengu,dieſe wird es ſein!

Wo denkſt du hin, das iſt die High Church! Da führt ein Biſchof das Amt!

Aber dort drüben, dort gewiß doch?

Das iſt eine Wesleyaniſche Kirche. Wir erkennen ihre Methode nicht für richtig an.

Tengu ſchweigt wieder. Und denkt, denkt. Sein Lehrer führt

ihn über heiße Straßen und Plätze, immer wieder ſind da Kirchen, und doch, der Miſſionar geht haſtig an ihnen vorüber.

Dieſe iſt es doch? wagt der Kaffernjüngling endlich Das iſt eine Dutch⸗Kirche, dort beten nur die Holländer! Haben Holländer einen anderen Gott?

Der Miſſionar ſtöhnt ein bißchen. Es iſt auch allzu heiß. Engländer und Holländer haben zwar denſelben Gott; aber ſie lehren in anderer Form, zu ihm zu beten. Und ſie wollen auch die Predigt jeder in ſeiner Sprache hören.

Aber ſie ſind doch alle Südafrikaner, ſagſt du, und haben ein Vaterland und eine Sprache?

Der Miſſionar lenkte ab, da ſind Auslagen und Staats⸗ gebäude, und er zeigte ſich befliſſen. Tengu ſieht brav das alles an, doch ſeine Augen wandern zu immer neuen Kuppeln und Türmen. Er iſt voll Glauben ausgezogen; aber dieſe vielen Ktebje, die nicht die richtigen ſind, venwirren ſein gradliniges Denken.

Dos wird ſie ſein, Vater! Und er ſtreckte die ſchwarze Hand zeigend.

Nein, nein, Daniel! Das iſt die katholiſche Kirche. Dort wird eine ganz andere Lehre gepredigt, mit der wir keine Ge⸗ meinſchaft haben.

Und da drüben?

Iſt die Dutch⸗Reformkirche, nicht die unſere!

Endlich bleibt der Miſſionar doch vor den Stufen eines Gotteshauſes ſtehen.Hier iſt die Kirche der Baptiſten, zu der du gehörſt, mein Sohn. Gehe nicht verſehentlich dort in jene

dir das alles erklären? Die Kirche

Sabbatiſten. Nun komm hinein!

Doch Tengu hat zuviel Sorgen, die erſt heraus müſſen. Er ſetzt ſich auf eine Stufe hin und fragt:Vater, du mußt mir ſagen, wie ich alles recht verſtehe, was ihr eingerichtet habt. Du ſagſt, die Deutſchen ſeien zurück gegen uns, weil ſie ſo viele Gruppen haben, die alle derſelben Sache dienen, und du ſagſt, ſie bekämpfen ſich und das iſt dumm. Engländer ſind vorgeſchritten, ſagſt du. Aber ich habe nun zweimal alle meine Finger abgezählt, wie wir an all den Kirchen vorbeigegangen ſind, die du falſch nennſt, weil jeder Gott darin anders dient!

Das läßt ſich nicht vergleichen! zürnte der Lehrer.

Oh, wunderte ſich Tengu,warum, Vater? Du haſt die Kirche und das Haus der Nation ja ſelbſt verglichen!

Stehe ich hier, um von einem Kaffern Lehren anzunehmen? ruft der Miſſionar aus. Und er wendet ſich und winkt dem gründlichen Tengu gebieteriſch, ihm zu folgen...

Kirche, die der unſrigen boshaft ähnlich gebaut iſt. Sie gehört den

Schach-Eeke

Die Schachecke wird bearbeitet von J. Bruchhäuser, Erankfurt a. M., Waldschmidtstraße 29, wohin auch alle Zuschriften und Lösungen zu senden sind-

Endspielstudie Nr. 50

Von Ratner

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Weiß zieht und gewinnt. Kontrollstellung:

Weiß: Kgl, Sal, e5, La(4) Schwarz: Kb6, Lal, Be7, g7(4)

Diese Studie macht einen starken Eindruck. Zunächst ist die ökonomie der zur Verwendung gelangenden Steine gefällig. Keiner der weißen Steine hat Wucht, noch birgt er die Möglichkeit der Wertsteigerung wie ein Bauer; dennoch vermögen sie die Aufgabe zu lösen. Sie ist schwer, denn Schwarz ge- winnt eine der weißen Figuren, da neben Kb6 at auch ein Abzugsschach nebst La? dA droht.

1. Lat e? Der einzige zum Ge- drängt und Leꝰ verloren geht. winn ausreichende Zug. Bei La6- fl 4...... Kb7 a8 verstellt der König später dem Läufer 5. Sa5 c6 Le5 d6 das Feld h3, bei LaG d träte ein(oder beliebig.)

anderer Mißstand zutage, der später des Königs nach c8 und Matt durch

.. Kb6- b7 LaGt b7. Aber Schwarz hat einen g- 2. Kgl g2 Wieder der einzige Bauern; käme der bis g4, so würde er Zug, wie sich herausstellen wird. den weißen König festhalten mit 2 Lal d4 Remisschluß; sonach wäre 1. Lat- fl

.

3. Sal b3 Natürlich der einzige fehlerhaft gewesen. Zug zum Gewinn. 6.... g7 g5 3....... Ld4 e⁵ Auch g7 hat kei 4 Pr. 4. Sbg-a5- Das ist die Ides; gobuia 5es hat koein anderos Pr. nun kann der König weder nach b8 7. Kg2- f3 I1. Aoht

noch al noch, da sonst durch ein

Springerschach Le verloren wäre. Da-. 1 her Fren darf der weiße Läufer nicht 19. EE2 is 5 auf d stehen, sonst käme Kb7- b6; 30, 82n 5. Sa5 4+, Kb6 c5; 6. Se4 ¼ e5, 41. K.4 64 Kc5 dd Remis. Auch nach cs darf Kd? es 93 g2

13. Lab b7 Matt.

der König nicht ziehen, da sonst. Ein reiner und starker Eindrucke

Le² g4* den König nach b8 oder ds

Spielabende des Arbeiter-Schachklubs Frankfurt a. M.

Abt. 1 Cnnenstadt): Montag, HotelKönig von England, Battonnstr. 68, Abt. 2(Riederwald): Donnerstag bei Blank.

Abt. 3(Bockenheim): Mittwoch,Zum Preischdtz, Leipziger Straße 64. Abt. 4(Bahnhofsviertel): Donnerstag,Regenbogen, Gutleutstraße.

Abt. 5(Nordend): Freitag bei Walter, Weberstraße 84.

Abt. 6(Rödelheim): Dienstag bei Geyer, Eschborner Landstraße.

Abt. 7(Bornheim): Mittwoch bei Pauly, Germaniastraße 49.

Abt. 8(Niederrad): Samstag, Sportplatz der Freien Turner, Hahnstraße.

Abt. 9(Sachsenhausen): Dienstag bei Adrian, Affentorplatz. Abt. 10(Gallusviertel): Mittwoch bei Israel, Franken-Allee 234.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint.

6. Lezat Nun droht der Marsch