Druckschrift 
Volk-Kunst-Wissen / für die Schriftleitung verantwortlich: Oscar Quint
Einzelbild herunterladen

Kachtſeite darbietet. Aber auch in rein phyjikaliſcher Hinſicht

unterſcheidet ſich der große Planet ſehr ſtark ſowohl von Venus

wie von Mars. Dieſer befindet ſich in einem Entwicklungszuſtand, den die Erde erſt in fernen Zeiten erreichen wird; er iſt ein alternder Planet mit nur noch wenig Waſſer und einer ſehr

dünnen, infolge des Waſſermangels meiſt völlig klaren Atmo⸗

ſphäre. Venus dagegen iſt jünger als die Erde; ihre Oberfläche hat noch keines Menſchen Auge erſchaut, denn de iſt völlig von Wolken verhüllt, die das auftreffende Sonnenlicht ungemein ſtark reflektieren; daher ihre große Helligkeit. In dieſem Zuſtand mag ſich unſere Erde vor einer Milliarde Jahren befunden haben. Noch weit jünger aber als Venus iſt Jupiter, wenigſtens in Bezug auf den gegenwärtigen Entwicklungszuſtand des Planeten⸗ rieſen. Das zeigt nicht nur die außerordentlich raſche Rotation; denn Jupiter dreht ſich in neun Stunden 55 Minuten um ſeine Achſe, ſo daß es demnächſt, wenn die Nächte noch etwas länger werden, möglich iſt, während einer einzigen Nacht die Jupiter⸗ kugel ringsum im Fernrohr zu beobachten. Die relative Jugend des gewaltigen Geſtirns geht aber auch aus den Erſcheinungen

auf ſeiner Oberfläche unzweideutig hervor. Bei genügender Ver⸗

größerung, ſchon im Fernrohr des Straßenaſtronomen, der für einige Groſchen den abendlichen Spaziergänger einen Blick in die Geheimniſſe ferner Welten tun läßt, ſieht man deutlich, wie lich zahlreiche dunkle Streifen parallel zum Aquator des Planeten über ſeine Oberfläche hinziehen. Streiſen, die zweifellos Wolken⸗ gebilde ſind, und deren Veränderlichkeit ſich bei exakter Beobach⸗

tung ſchon innerhalb weniger Stunden erkennen läßt. Man hat

ſogar feſtgeſtellt, daß die Rotationsgeſchwindigkeit dieſer Wolken⸗ kerife in der Richtung nach den Polen geringer iſt als in der

ähe des Aquators, eine Erſcheinung, die darauf hindeutet, daß es ſich bei den Wolkenſtreifen auf dem Jupiter nicht um dünne Gebilde wie auf der Erde handelt, ſondern daß der ganze äußere Teil des Planeten ſich mehr oder weniger noch in gasförmigem Zuſtand befindet, obgleich manche Gebilde, zum Beiſpiel der be⸗ rühmterote Fleck, der länger als dreißig Jahre hindurch unter mancherlei Veränderungen ſichtbar blieb, größere weiſen. Charakteriſtiſch iſt außerdem die ſehr ſtarke Abplattung des Planeten an den Polen, die auch der Laie ſofort erkennt, wenn er Jupiter im Fernrohr ſieht. Sie iſt ſo groß, daß der Aquatorialdurchmeſſer Jupiters ſeinen Poldurchmeſſer um nicht weniger als ein Sechzehntel übertrifft, und ſie iſt nur eine Folge der beſonders raſchen Achſendrehung, könnte freilich nicht ſo er⸗ heblich ſein, wenn der Planet ein ebenſo ſtarrer Körper wie die Erde wäre. Seine Dichtigkeit beträgt denn auch nur etwa ein Viertel der Dichtigkeit der Erde und iſt nicht viel größer als die des Waſſers. Da der Jupiterdurchmeſſer den Erddurchmeſſer um etwa das Elffache übertrifft, ſo muß ſein Volumen das der Erde rund dreizehnhundertmal öÜberſteigen. Infolge der weit⸗ aus geringeren Dichtigkeit jedoch überſteigt die Maſſe des Jupiter die Erde nur um etwa das dreihundertfünfundzwanzigfache. Doch ſo gewaltig Jupiter auch im Vergleich mit der Erde iſt, an der gigantiſchen Größe der Sonne gemeſſen iſt auch er nur ein Zwerg,

denn erſt tauſend Jupiterkugeln zuſammengeballt

,

tetigkeit auf⸗

le

4

nteden die Größe des Zentrakgeſtirns unferes Sonnenſyſtems er⸗ reichen. Der Abſtand, der uns von dem großen Brudergeſtirn trennt, iſt im Mittel fünfmal ſo groß wie die Diſtanz zwiſchen Erde und Sonne. In Zahlen ausgedrückt, ſchwankt ſeine Entfernung von der Erde zwiſchen 578 und 960 Millionen Kilometer. Ein Schnell⸗ ug hätte ohne Aufenthalt rund tauſend Jahre zu fahren, um ieſe Entfernung zu überbrücken, und ihre Größe iſt die Urſache, daß uns die ungeheure Kugel auch bei der größten Annäherung an die Erde nur unter dem winzigen Winkel von etwa 50 Bogen⸗ ſekunden erſcheint. Und da demgemäß die Rieſenkugel dem bloßen Auge nur als freilich heller Lichtpunkt erſcheint, ſo iſt es kein Wunder, wenn wir Jupiters vier große Monde ohne optiſche Hilfsmittel nicht wahrzunehmen vermögen, obgleich die beiden kleineren von ihnen an Größe etwa dem Erdmond gleichkommen, wogegen die beiden anderen ſogar um etwa die Hälfte größer ſind. Allerdings genügt ein auter Feldſtecher, um dieſe vier Monde in der Aquatorebene des Planeten als winzige Lichtpünktchen zu erkennen, und ihre Beobachtung iſt deshalb beſonders dankbar, weil ſie ununterbrochen ihre Stellung wechſeln, vor oder hinter dem Planeten vorübergehen. Die Umlaufzeit dieſer vier Monde ſchwankt zwiſchen 42 Stunden und 1626 Tagen. Schon Galilei erblickte ſie, als er im Jahre 1610 ſein erſtes, kurz zuvor in Holland erfundenes Fernrohr auf den Planeten richtete; alsbald ſchloß er aus ihrer Bewegung auf die Trabanteneigenſchaft der beiden Körper und fand ſo eine glänzende Beſtätigung der kurz zuvor verkündeten Lehre des Kopernikus. Von der Inquiſition verfolgt, mit Folter und Tod bedroht, mußte der große Italiener die von ihm erkannte Wahrheit zwar öffentlich abſchwören, aber ſeine wiſſenſchaftliche Erkenntnis konnte dadurch nicht erſchüttert werden. Erſt in allerneueſter Zeit, im Jahre 1892, gelang dem amerikaniſchen Aſtronomen Barnard auf der Lick⸗Sternwarte in Kalifornien die Entdeckung eines fünften, winzigen Jupitermondes, der dem Planeten viel näher ſteht als die vier anderen und der in nicht ganz zwölf Stunden das Haupt⸗ eſtirn umkreiſt. Seither ſind noch vier weitere, ganz kleine zupitermonde aufgefunden worden, der neunte erſt im 8 1914. Dieſe vier Zwergtrabanten ſind ſehr weit vom auptſtern entfernt; der zuletzt entdeckte hat die außerordentlich große Umlaufzeit von etwas über zwei Jahren. Die Beobachtung

dieſer kleinen Trabanten iſt überhaupt nur unter beſonders

günſtigen Luftverhältniſſen und mit den ſtärkſten Inſtrumenten möglich; dagegen bietet die Verfolgung der vier großen Monde auch dem Liebhaberaſtronomen ſtets wechſelnde Anregung; ver⸗ ſchiebt ſih doch ununterbrochen ihre Stellung zu einander; bis⸗ weilen ſtehen alle vier Trabanten auf einer Seite des Planeten, und fortwährend ergeben ſich andere Konſtellationen innerhale dieſer fernen Welt. Finſterniſſe ſind auf dem Jupiter alltägliche Erſcheinungen, und während eines Jupiterjahres kommen nicht weniger als 4400 Sonnen⸗ und ebenſoviele Mondfinſterniſſe vor.

mann und Matthige, verirrten ſich um dieſe Zeit in nicht wieder

ausgeglichene eisdorſanduüſte und außerdem vertrug dieſe Zeit, die ſich allmählich auf ſich ſelbſt beſann, ſolche Scherze nicht mehr.

In einer in ihren Einzelheiten nicht näber bekannt ge⸗ wordenen Ehrenſache ſoll Ehrmann als deſſen Sekundant in Erwiderung eines angeblich kurz zuvor geleiſteten Freundſchafts⸗ dienſtes Goethe bezeichnet wird 1772 einen franzöſiſchen Offi⸗ zier im Zweikampf getötet und dann die Flucht nach Baſel unter⸗ nommen haben, um den geſetzlichen Folgen des unglücklichen Vor⸗ falls zu entgehen. Martin Greif(Hermann Frey 1183919111] hat die Duellgeſchichte nach den Angaben ſeiner Großmutter Joſephine Ehrmann⸗Stellwag, geborene Giſelin, der Gattin von Johann Chriſtian Ehrmanns Adoptivſohn, und unter Benutzung einiger Briefe Ehrmanns an Franz Chriſtian Lerſe(1749 1800) lowie auf Grund von Tagebuchnotizen in der NovelleGoethe und Thereſe nacherzählt.

In den auf dem Frankfurter Stadtarchiv aufbewahrten

Ratsſupplikationen liegt wie Prof. Voelcker neuerdings feſt⸗ geſtellt hat Ehrmanns Geſuch um Erteilung des hieſigen Bürger⸗ rechts. Ehrmann teilt am 17. Februar 1779 mit, er habevor ohngefähr zwey Jahren mit einem mansöſſchen Offizier ein Ren⸗ contre gehabt und ſeye ihm, nachdem er ſich von Straßburg weg⸗ begeben, vermuthl. eine Strafe dieſerhalb angeſetzt worden. Er könne verſichern, daß die Affaire längſt erledigt und niemand mehr etwas dieſerwegen gegen ihn vornehmen würde, wie denn auch der H. Meiſter und Rath der Stadt Straßburg ihm mit denen zur Erlangung des hieſigen Bürger Rechts nöthigen Documenten gewislich nicht an Handen gegangen ſeyn würde, wenn er annoch in einen Prozeß der Art verwickelt geweſen wäre...

Am 27. Februar 1779 übergab Ehrmann auf ſtädtiſches An⸗ ſuchen hier eine Urkunde, vermöge deren atteſtiert wird, daß die zwiſchenihme und Herrn von Arnwald, dem Offizier unter dem Löbl. Deutſchen Regiment Anhalt Infanterie vor anderthalb Pahren(alſo in der zweiten Hälfte 1777) entſtandene Zwiſtig⸗ eiten und der darüber erregt gewordene Verzicht⸗Prozeß ſeine Endſchaft erreichet, auch keine weitere gerichtliche Fürſchritte des⸗ wegen gemacht werden, noch Platz finden.

Aus dieſem amtlichen Leumundszeugnis geht hervor, daß die bisher bekannten Berichte über dieAffaire ein Gemengſel

von mehr Dichtung als Wahrheit enthalten. Irgend eine Ein⸗ beziehung Goethes, der nur 1770/71, im Mai 1775 und am 16. September 1779 mit dem Herzog Karl Auguſt in Straßburg geweſen iſt, kann wohl kaum mehr in Frage kommen. Auch die Geſchichte von der Flucht nach Baſel 1772 und vieles andere läßt ſich mit den ſpäterenZwiſtigkeiten nicht begründen. Ehrmann,

der ſich offenbar ſchon früh, bei aller Geradheit, die Maria Belli⸗

Gontard von ihrem verehrten Hausarzt rühmt, gerne mit einem gewiſſen Nimbus umgab, wird vermutlich in reiferen Jahren den Vorfall von 1777 ein wenig aufgebauſcht und zurückverlegt haben, ſo daß er Wieblich in die erſterwähnte Form gebracht und ſo verbreitet worden iſt. Der Forſchung bleibt hier die Aufgabe noch vorbehalten, Dichtung und Wahrheit ſäuberlich zu ſcheiden.

Der Scherz, den Ehrmann einſt mit Pfarrer Anton Kirchner als Gegenſcherz getrieben und den Heyden 1861 noch für ſo ſtadt⸗ bekannt gehalten hat, daß er ſeine Wiedererzählung für über⸗ flüſſig erachtete, ward 1872 von Marie Belli⸗Gontard aufge⸗ zeichnet.Der Kanzelredner berichtet die Freundinmachte dem Arzt Vorwürfe, er habe ihn nie predigen hören. Ehrmann verſprach, in der Katharinenkirche zur Betſtunde ſich einzufinden. Beim Kommen ſetzte er ſich der Kanzel gegenüber. Nach kurzer Zeit langweilte er ſich. Er wollte davon ſchleichen, fand aber die Kirchthüren verſchloſſen. Kurze Zeit darauf wurde Ehrmann in der Nacht nach Sachſenhauſen gerufen. Die Frau des Kranken empfing ihn weinend an der Hausthüre. Man habe ihren Mann beſinnungslos heimgebracht, in dieſem Zuſtande befände er ſich noch. Ehrmann entdeckte ſogleich, daß der Mann im höchſten Grade betrunken war. Er rieth, den Pfarrer Kirchner rufen zu laſſen; er, als Arzt, könne bhier nicht bhelfen. Der Pfarrer kam und wollte eben eine ſalbungsvolle tröſtende Rede halten, als ihn dar. ſüpto Branntweingeruch davon abhielt. Er merkte Ehr⸗ manns Racho, grollte jedoch nicht lange.

Zum Schluß noch eine der vielen ſonſtigen Ehrmann⸗An⸗ ekdoten, die Maria Belli erzählt:Ein junger Mann, Inhaber eines Parfümeriegeſchäfts, bekannt als Schmutzfink, wollte einen Maskenball beſuchen. Es lag ihm daran, nicht erkannt zu werden, er fragte Ehrmann wegen der zu wählenden Maske um Ratb. Die Antwort lauteteWaſch dich!